Der große Tag

Felix staunt nicht schlecht, als er die Halle betritt, in der das Turnier stattfindet. Ganz viele Kinder und Erwachsene laufen umher, zwölf Metallbahnen liegen ordentlich ausgerichtet und neben jeder piepst ein Melder herum.

Zum Glück ist sein Trainer Thilo auch da, Felix wäre jetzt sonst ziemlich nervös. Der sagt ihm erst einmal, um was er sich als nächstes kümmern muss:

"So, jetzt nimmst du deinen Fechtpass und gehst dahinten hin, wo das Schild 'Passannahme' steht", sagt Thilo und zeigt auf einen Geräteraum, in dem hinter einem Tisch ein Junge und ein Mädchen sitzen und gelbe und blaue Fechtpässe aufstapelen und Listen abhaken.

Dann zeigt Thilo auf einen anderen Geräteraum, an dem ein Schild 'Materialkontrolle' hängt. "Danach bringst du deine Maske und Elektroweste erstmal zur Materialkontrolle 'rüber. Die machen dir ein Zeichen auf die Sachen, wenn sie in Ordnung sind. Bei einigen Turnieren heisst das auch 'Waffenprobe', obwohl man da seine Waffen gar nicht prüfen lassen muss.... schon komisch eigentlich."

Felix klemmt sich seine Maske und Weste unter den Arm, nimmt seinen Pass in die Hand und zieht los.

Der Fechtpass

Felix gibt dem Jungen in der Passannahme seinen Fechtpass. Der schaut kurz auf den Namen und blättert in seinen Listen. Als er das Häkchen gemacht hat, klappt er den Fechtpass auf.

"Was suchst du denn?", fragt Felix neugierig.

"Ich gucke, ob der Fechtpass gültig ist und ob du beim Arzt warst."

"Ja... beim Arzt war ich vorgestern noch, das hat mir mein Trainer nach der Prüfung gesagt, dass ich da'n Stempel drin brauch'. Aber wann wird der denn sonst noch ungültig?", wundert Felix sich.

"Na, jeder neue Fechtpass ist erstmal nur bis Silvester gültig. Und im nächsten Jahr brauchst du dann so einen Aufkleber hier", sagt der Junge und zeigt auf einen anderen Fechtpass, wo hinten was aufgeklebt war. "Mit deinem Pass ist aber alles in Ordnung. Kannst du dir wieder abholen, wenn du ausgeschieden bist. Wir müssen ja deinen Platz eintragen."

"Cool! Dann bis später" und schon ist Felix unterwegs zur Materialkontrolle.

Die Materialprüfung

Nun steht Felix vor einem älteren Mann, der hinter einem Tisch sitzt, und reicht ihm seine Maske und E-Weste 'rüber.

Der Mann hebt die Maske gegen das Licht und schaut durch das Gitter, zieht ein wenig am Latz und an den Kanten herum, wo das Metall aufhört und der Stoff anfängt. Felix schaut ihm interessiert zu.

"Na, die Maske ist ja noch fast neu, da werde ich wohl keine Löcher finden."

"Können denn da Löcher in der Maske sein?", fragt Felix ängstlich.

"Die Masken halten sehr lange und sind sehr stabil. Aber alles kann mal kaputt gehen. Deshalb gucken wir uns die Masken vor jedem Turnier an, und wenn sie  kaputt ist oder so verbogen ist, dass sie jeden Moment kaputt gehen kann, dann musst du dir eine neue kaufen. Deshalb brauchst du auch gar keine Angst haben."

Beruhigt nimmt Felix seine Maske entgegen, auf der jetzt auf der Seite ein rotes "X" prangt. Der Mann zieht nun einen Metallstift über Felix' Elektro-Weste, die er vor sich ausgebreitet hat.

"Auch mit der ist alles in Ordnung. Wenn du die immer schön zusammenrollst und nicht knickst, dann brechen die Metallfäden auch nicht so schnell. Und du solltest deine Weste immer trocknen lassen, bevor du sie einpackst... oder zumindest zu Hause gleich wieder auspacken und trocknen lassen. Sonst wird die so eklig grün und funktioniert nicht mehr."

Felix bedankt sich, nimmt seine Sachen und geht zurück zu seinem Trainer, der gerade mit einem anderen Fechter spricht.

Gleich geht es los - Die letzten Vorbereitungen

Felix folgt Thilo, der ihm den Weg zur Umkleidekabine zeigt.

"So, zieh dich erstmal um... aber Jacke und Weste noch nicht! Wenn du fertig bist, komm wieder zu mir."

Felix zieht seine normalen Sachen aus und schlüpft in seine Fechtkleidung:

Erst das T-Shirt, dann die weissen Kniestrümpfe und zuletzt die Fechthose. Die Kniebundhose mit den engen Strümpfen erinnert ihn irgendwie an ein paar Bilder aus dem Geschichtsbuch. 'Fast wie die drei Musketiere', grinst er vor sich hin, 'nur so einen Mantel hab' ich nicht.'

Er packt seine Sachen wieder in die Tasche - anders als beim Training sollte er seine Straßenkleidung nicht in der Umkleide lassen, hatte Thilo gesagt, weil hier ganz viele Leute rein und raus gehen und nachher fehlt womöglich was.

Seine Fechttasche hinter sich herziehend, geht Felix wieder zu der Bank am Hallenrand, wo der Rest seines Vereins sitzt.

"So, und jetzt läufst du dich warm und dehnst dich - nicht dass du gleich 'nen Krampf kriegst", ruft Thilo ihm 'rüber. Felix verzieht kurz das Gesicht. Warm machen fand er nicht so spannend, aber was sein muss, muss sein. Er will nachher ja auch nicht verletzt aufgeben müssen. Also läuft er ein paar Runden und dehnt sich. Der Hallensprecher liest ein paar Namen vor und sagt was von "Erster Aufruf." Felix wundert sich. Was konnte das nur bedeuten?

"Duuu? Thilo? Warum ruft er die auf?"

"Die sind noch nicht da. Auf der Ausschreibung standen doch drei Uhrzeiten: Aufruf, Streichtermin und Beginn. Beim Aufruf gucken sie, ob alle da sind, und rufen das erste Mal auf. Meldet der Fehlende sich nicht, dann noch ein zweites und drittes Mal, und beim Streichtermin werden die dann aus der Liste gestrichen."

"Aber wenn die doch gar nicht da sind, dann hören die das doch nicht?", wundert sich Felix.

"Vielleicht sind sie aber schon da und haben nur vergessen, den Pass abzugeben. Oder die Passannahme hat was falsch abgehakt. Da fragen sie lieber nach, bevor sie die ganzen Runden aufrufen und dann fehlt einer."

"Achso. Und beim Beginn gehts dann los?"

"Ja. Nach dem Streichtermin fangen die Organisatoren an, die Runden zu setzen, auszudrucken und Kampfrichtern und Bahnen zuzuteilen. Das dauert ein bisschen, deshalb ist der Beginn ja auch ein bisschen nach dem Streichtermin."

"Und es geht pünktlich los?"

Thilo lacht. "Naja, oft. Manchmal verzögert es sich aber noch, weil man doch noch auf irgendwas gewartet hat oder ein Fehler in der Listen war. Es kann auch sein, dass die Runden der Mädchen oder anderen Jahrgänge länger dauern als geplant und noch keine Bahnen oder Obleute frei sind. Brauchst also nicht nervös werden, wenn es nicht pünktlich los geht."

"Tut es aber!", grinst Felix, denn im Hintergrund hört man schon den Hallensprecher, der vorliest, welcher Fechter auf welche Bahn muss.

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