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06.08.2012 08:33
Von: Olaf Wolf

Bronze mit Beigeschmack

Die deutschen Florettfechter haben nach 20 Jahren Medaillen-Abstinenz in einer Mannschaftsentscheidung bei Olympischen Spielen nun in London Bronze errungen. Doch ein fader Beigeschmack blieb.

Fotos: © Picture Alliance

Drei klare Treffer nahmen der tunesische Kampfrichter und sein südkoreanischer Kollege dem deutschen Team im Halbfinale. Mit einer furiosen Aufholjagd gegen Japan hatten sich Peter Joppich (Koblenz), Benjamin Kleibrink (Tauberbischofsheim), Sebastian Bachmann und Andre Weßels (beide Bonn) wieder herangearbeitet. Schlussfechter Peter Joppich glich wenige Sekunden vor Ende des Kampfes gegen Yuki Ota aus. Dann musste der Sudden Death entscheiden. Doch irgendwie wollten jene Olympia-Kampfrichter die Treffer des Peter Joppich einfach nicht sehen, revidierten zwei Einzeltreffer des Koblenzers. Auch die dritte Aktion wertete man dann gegen die Deutschen, verhalf so den Japanern zum Finaleinzug. Eine späte Retourekutsche? Wir wollen nicht mutmaßen. Doch zumindest ein wenig mehr Sensibilität bei der Auswahl von Kampfrichtern hätte man sich schon gewünscht. „Die ersten zwei Punkte von Peter waren eindeutig“, sagt Benjamin Kleibrink später. „Andere kamen an und sagten mir, dass wir gewonnen hätten“, ergänzt Peter Joppich. „Ich bin sauer, dass wir nicht im großen Finale standen“, fügt er hinzu.

Schwer hatten die vier in den Olympiatag gefunden. Auftaktgegner Russland schien bereits alle Medaillenträume der Deutschen zu pulverisieren, führte teilweise mit 10 Treffern Vorsprung. Im siebenten Gefecht läutete Sebastian Bachmann eine fast sensationelle Aufholjagd ein. Seine Teamkollegen Kleibrink und Joppich setzten dann jeweils 11 Treffer in ihren Gefechten und beendeten den Kampf mit 44:40 zu ihren Gunsten gegen die völlig konsternierten Russen.

Auch die Japaner führten bis zum letzten Kampf Joppich vs. Ota. Benjamin Kleibrink übergab an den Koblenzer mit nur noch drei Treffern Rückstand, der setzte Treffer für Treffer. Bundestrainer Uli Schreck, er gehörte im übrigen 1992 zu jenem Team, das letztmalig olympisches Mannschafts-Edelmetall, damals in Barcelona Gold, erkämpfte, hatte bereits zwei Mal im Sudden Death mit einem akrobatischen Sprung zum Jubel angesetzt, wurde zweimal unsanft ausgebremst. „Es ist schlimm, wenn Du glaubst, dass Du im Finale stehst“, erklärt er später. „Dreimal entscheidet er gegen uns. Das stinkt“, lässt Uli Schreck seinem Ärger freien Lauf.

Gut zwei Stunden blieben ihm, seine „Jungs“ wieder aufzubauen. Das schien er offensichtlich vortrefflich hinbekommen zu haben. Im kleinen Finale ließen die vier nichts mehr anbrennen. Mit 45:27 setzten sie sich im Bronze-Match gegen die USA durch, waren von Beginn an dominant und klar überlegen. Eine Schrecksekunde musste der Bundestrainer dann doch noch überstehen, als sich Sebastian Bachmann bei einem Sturz das Knie verdrehte und beim Stand von 34:21 ausgewechselt werden musste. Andre Weßels, bis dato nur Ersatzmann, machte seinen Kurzauftritt zur schnellen Angelegenheit. In gut 10 Sekunden setzte er den erforderlichen Treffer zum 35:21, übergab dann an Benjamin Kleibrink.

Insgesamt sechs Treffer ließen der und Schlussfechter Peter Joppich dann noch zu, ehe letzterer den Kampf nach 62 Minuten mit 45:27 beendete.

Die Italiener waren wohl froh, im Finale nicht auf die Deutschen getroffen zu sein, gingen sie doch in den letzten zwei, direkten Vergleichen in Catania und Bonn als Verlierer von der Bahn. Lange taten sie sich im abschließenden Finale gegen Japan schwer, siegten am Ende 45:39 und wurden damit nach 2004 erneut Olympiasieger.

Die Platzierungen: 1. Italien, 2. Japan, 3. Deutschland, 4. USA, 5. Russland, 6. Großbritannien, 7. China, 8. Frankreich

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