Deutsche Säbelfechter Fünfte in London
Eigentlich wollten sie eine Medaille bei den Spielen holen. Die deutschen Säbelfechter, Weltranglisten-Dritte im Team, strotzten vor Beginn der Spiele förmlich vor Selbstbewusstsein.
Zwölf Jahre nach der Bronzemedaille von Sydney schien nun die Zeit reif für eine erneute Podestplatzierung. Doch ausgerechnet Südkorea machte Nicolas Limbach, Max Hartung, Benedikt Wagner (alle Dormagen) und Björn Hübner (Tauberbischofsheim) einen Strich durch die Rechnung.
Entsprechend enttäuscht zeigten sich die vier nach Ende des Wettbewerbs. „Ich mache mir und den anderen den Vorwurf: Das hätten wir besser machen müssen. Wenn man so weit hinterher ist, ist das ein Fehler der Athleten", sagte der Säbelfechter aus Dormagen nach dem frühzeitigen Ende aller Medaillenträume. „Es tut mir leid für unsere Trainer und die Zuschauer, die wegen uns gekommen sind." zeigt Nicolas Limbach später wahre Größe im Interview.
Von Beginn an rannte das deutsche Quartett einem Rückstand in jenem entscheidenden Viertelfinale hinterher. Weder die Einwechslung von Björn Hübner für Benedikt Wagner, noch die späte Aufholjagd von Team-Leader Nicolas Limbach im letzten Gefecht, der neun Treffer setzen konnte, wendeten das Blatt zugunsten der Deutschen. 38:45 unterlag die Mannschaft von Bundestrainer Vilmos Szabo dem späteren Olympiasieger am Ende. Rang fünf nach Abschluss des Wettbewerbs war für die Deutschen wohl nur ein geringer Trost. „Keine Medaille – die Enttäuschung ist riesig“, so Limbach weiter.
Hoch anzurechnen bleibt den Vier, dass sie bis zum Ende nicht aufgaben. Da wurde dann zuerst Weißrussland mit 45:40 bezwungen, im abschließenden Kampf China deutlich mit 45:30 besiegt. „Letztendlich müssen wir feststellen, dass Südkorea besser war, als wir“, blickt auch Vilmos Szabo nochmals zurück. „Wir haben nicht toll gefochten, können mit dem fünften Platz nicht zufrieden sein“, meint er weiter.
Szabo setzt aber auch auf den Faktor Zeit: „Gerade die Jüngeren brauchen noch mehr internationale Erfahrung. Die Finalplätze im Einzel waren kein schlechtes Ergebnis, aber wir wollten eine Medaille holen“. Den Unterschied an jenem Tag habe wohl auch die Tatsache ausgemacht, dass die Südkoreaner, in der Mannschafts-Weltrangliste zwar „nur“ Sechste waren, dennoch drei Weltklasse-Fechter unter den Top 15 in der Einzel-Weltrangliste hatten.
Doch wer den Bundestrainer und seine Jungs kennt, weiß, dass sie nicht aufgeben werden. In Rio werden sie in vier Jahren mit Sicherheit wieder angreifen.
Südkorea wurde am Abend mit einem deutlichen 45:26 gegen Rumänien Olympiasieger. Rang drei ging an Italien, die Russland mit 45:40 bezwangen.
Die Platzierungen: 1. Südkorea, 2. Rumänien, 3. Italien, 4. Russland, 5. Deutschland, 6. China, 7. Weißrussland, 8. USA


