WM: Florett-Herren / Säbel-Damen (Mannschaft)
Bei den Fecht-Weltmeisterschaften in St. Petersburg, Rußland, hat sich die Florett-Herren-Mannschaft die Silber-Medaille gesichert!
Das Quartett Dominik Behr (Tauberbischofsheim), Peter Joppich (Koblenz), Benjamin Kleibrink (Bonn) und Christian Schlechtweg (Berlin) hat im Halbfinale China deutlich mit 45:31 besiegt und war dann im Finale den Franzosen mit 32:45 unterlegen. Bronze ging an Südkorea.
Geheimrezept: HipHop-Musik
Peter Joppich hörte Minuten vor dem Finale noch HipHop-Musik, schaute hochkonzentriert auf den Boden vor sich und sammelte seine Gedanken. Dann ging er mit seinen Mannschaftskollegen zur Planche und trat zum Finale gegen Frankreich an. Leider wurden fast alle Einzel-Gefechte verloren – nur Joppich gewann das letzte Gefecht mit 6:5. „Leider ist unser taktisches Konzept nicht aufgegangen", sagte Florett-Bundestrainer Uli Schreck. Gegen die Franzosen müsse man von Beginn an ins Gefecht kommen, um eine Chance zu haben. „Das ist uns leider nicht gelungen", erklärte Schreck weiter.
Für Verwirrung sorgten einige Obmann-Entscheidungen zu Ungunsten der Deutschen. Gelbe Karten wurden nach Betrachten des Videobeweises revidiert und als Treffer gewertet, für Deutschland anerkannte Treffer wurden kurzerhand den Franzosen gutgeschrieben (siehe Interview mit Joppich; Download linke Spalte).
Das Halbfinal-Gefecht gegen China war spannend bis zuletzt. Lange Zeit führte China. Im achten Gefecht übernahm Kleibrink mit einem Rückstand von 25:27. Er kämpfte gegen den Chinesen Zhang Liangliang und wies ihn in die Schranken. Kleibrink setzte einen Treffer nach dem anderen, es hagelte nur so an Punkten, so dass Kleibrink nach drei Minuten das Gefecht mit einem Stand von 40:28 an Joppich übergab. Dieser führte das Gefecht bis zum Stand 45:31 zu Ende und streckte mit dem letzten Treffer die Faust in den Himmel: die nächste Medaille!
Im Achtelfinale hatten die deutschen Florett-Herren Ukraine deutlich mit 45:25 besiegt. Im Anschluss kämpften sie gegen Spanien und machten sich den Weg zum Halbfinale mit einem 45:29 frei.
Für den Deutschen Fechter-Bund bedeutet der heutige zweite Platz die insgesamt fünfte Medaille der laufenden WM. Zuvor hatten Joppich mit dem Florett und die Leverkusenerin Britta Heidemann mit dem Degen im Einzel Gold geholt, Kleibrink mit dem Florett und Säbel-Fechter Nicolas Limbach (Dormagen) jeweils Bronze gewonnen. "Ich bin sehr zufrieden. Das war bis jetzt ein tolles Mannschaftsbild", sagte Präsident Gordon Rapp am Abend. Trotz der heutigen Niederlage im Finale sei er stolz auf die Florett-Mannschaft, die mit drei Medaillen ein tolles Ergebnis erzielt habe.
Auf die Olympia-Qualifikation hat das Team-Ergebnis der Florett-Herren allerdings keinen Einfluss. Wie die Degen-Damen muss die Mannschaft von Bundestrainer Uli Schreck in Peking wegen der olympischen Rotation pausieren.
Säbel-Damen-Mannschaft an Ukraine gescheitert
Die deutschen Säbel-Fechterinnen sind bei der WM in St. Petersburg vorzeitig gescheitert. Die Mannschaft von Bundestrainer Eero Lehmann mit Alexandra Bujdoso (Koblenz), Doreen Häntzsch (Tauberbischofsheim), Sibylle Klemm (Eislingen) und Stefanie Kubissa (Dormagen) unterlag im Achtelfinale gegen die Ukraine mit 39:45. Gold ging erneut an Frankreich, Silber an die Ukraine, Bronze an Gastgeber Russland.
Kubissa hatte unmittelbar nach dem Achtelfinal-Gefecht keine wirkliche Erklärung für das frühe Ausscheiden. „Wir waren heiß, wir haben alles gegeben. Aber wir wussten auch von vornherein, dass Ukraine kein einfacher Gegner sein wird.“ Bundestrainer Eero Lehmann ergänzte: „Bei Ukraine als Gegner war klar, dass man über sich hinauswachsen hätte müssen. Und zwar alle gleichzeitig – nicht nur eine.“
Damit haben sie nun kaum noch eine Chance auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in Peking. „Jetzt ist es vorbei. Jeder, der rechnen kann, weiß das. Das ist bitter“, sagte die enttäuschte Kubissa, die wie ihre Teamkollegin Bujdoso nun hofft, über die Kontinental-Qualifikation im kommenden April das letzte mögliche Olympia-Ticket zu ergattern. Das sei ab sofort oberstes Ziel, „wir müssen darauf spekulieren, dass es eine von uns durchs Hintertürchen schafft“, erklärte die 22-Jährige.
Jetzt gelte es für seine Fechterinnen, alles dafür zu tun, die letzte Chance zu nutzen, sagte Lehmann. Diese Chance sei „auf jeden Fall da, weil die starken Nationen nicht dabei sind. Aber das ist natürlich eine Mörder-Nervensache, das ist Wahnsinn.“
Im Hinblick auf die Mannschaft hat Lehmann bereits die Olympischen Spiele in London im Kopf. „Das Segel Richtung 2012 ist quasi jetzt schon gehisst. Alle jüngeren Fechterinnen können sich jetzt Hoffnungen machen, dabei zu sein“, versprach Lehmann.







