Keine Podestplätze am Abschlusstag
Die deutsche Equipe hat den letzten Tag der Fecht-Europameisterschaften im italienischen Legnano ohne Podestplätze abgeschlossen.
Im Damenflorett unterlag das deutsche Team in der Besetzung Sandra Bingenheimer, Katja Wächter, Anne Sauer (alle FC Tauberbischofsheim) und Martina Zacke (SC Berlin) bereits im Auftaktgefecht gegen Frankreich 30:45. „Bis zur Mitte haben wir den Kampf gut angenommen. Dann haben wir durch einige Fehler den Vergleich verloren“, meint Bundestrainer Lajos Somodi zurückblickend. Im ersten Platzierungsgefecht siegte das deutsche Quartett gegen Großbritannien 40:29, musste aber im letzten Vergleich gegen Ungarn eine 39:45-Niederlage einstecken. „Gegen Ungarn haben die Mädchen ebenfalls lange mitgehalten, zum Ende hat es leider nicht gereicht“, ergänzt Somodi. Damit belegen die Deutschen nach Rang drei m Vorjahr in Sheffield in diesem Jahr Platz sechs.
Titelträger im Damenflorett wurde die Mannschaft Italiens, die im Finale Ungarn mit 45:28 bezwang. Rang drei ging an Russland, die sich gegen Polen mit 38:31 durchsetzten.
Im Herrendegen setzte Bundestrainer Didier Ollagnon auf junge Fechter. Der EM-Dritte Jörg Fiedler (Leipzig) hatte aufgrund seiner Olympiavorbereitung auf einen Start in der Mannschaft verzichtet. Damit bot sich für die jungen Fechter Stephan Rein, Niklas Multerer (beide Heidenheimer SB), Raphael Steinberger (WMTV Solingen) und Routinier Christoph Kneip die Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen, was wohl nicht ganz gelang. Die an Nummer fünf gesetzten Deutschen zogen bereits im Achtelfinale gegen Tschechien mit 40:45 den Kürzeren. Dem folgte eine 39:45-Niederlage gegen Spanien. Portugal wurde dann mit 45:37 bezwungen und im abschließenden Gefecht Schweden mit 45:42 besiegt. Damit blieb dem deutschen Degen-Team am Ende Rang 13. „Die Jungs haben sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten gemüht, wobei Tschechien und Spanien auf jeden Fall schlagbar waren“, blickt Didier Ollagnon zurück. Für ihn und das junge Team war die EM zugleich Startschuss für den Neuaufbau der Mannschaft mit Blickrichtung 2016. „Das ist gewissermaßen der Preis dafür, wenn man eine neue Mannschaft aufbauen will. Wir haben viele gute Leute. Vor uns steht aber viel Arbeit, wollen wir diese an das internationale Spitzen-Niveau heranführen“. Ollagnon wird dabei auch zukünftig auf Jörg Fiedler und Martin Schmitt zählen können. „Wir müssen es vor allem schaffen, Kontinuität zu erreichen, müssen noch viel arbeite, um wieder vorn mitzumischen“, erklärt er abschließend.
Europameister im Herrendegen wurde die Schweiz, die im abschließenden Finale Ungarn mit 45:35 besiegten. Der dritte Platz ging in Legnano an die Ukraine, die im kleinen Finale Frankreich mit 38:33 hinter sich ließen.
Positiv fällt auch das sportliche Fazit von Delegationsleiter Manfred Kaspar aus. „Wir können mit dem Abschneiden rundum zufrieden sein. Wir haben diese Etappe in Richtung London gut bewältigt. Jetzt heißt es für unsere Olympiafahrer, noch einen Zacken drauf zu legen, um auch in London erfolgreich zu sein“, fasst der Bonner zusammen. Zweifelsohne hatten er und die deutsche Mannschaft einigen Grund zur Freude. „Dass Jörg Fiedler seine Durststrecke durchbrechen konnte, hat mich ganz besonders gefreut“, so Manfred Kaspar. „Prima war auch, dass Monika Sozanska sich in diesem engen und großen Favoritenfeld bis auf einen Podestplatz arbeiten konnte. Nicht zu vergessen aber die Silbermedaille von Benjamin Kleibrink, der endlich wieder eine Einzelmedaille gewonnen hat“, führt er weiter aus. Auch die Mannschafts-Paradewaffen des Deutschen Fechter-Bundes waren in Legnano wieder treffsicher. Herrensäbel und Herrenflorett blieben alten Traditionen treu und sorgten für Edelmetall. Doch Manfred Kaspar findet auch kritische Worte: „Wir haben hier viele liebenswürdige und freundliche Gastgeber kennen gelernt. Leider haben wir aber auch einer EM unwürdige Bedingungen miterleben müssen. Ein Land, was mit der WM in Turin eine exzellente Veranstaltung abgeliefert hat, hat sich hier keinen Gefallen getan“, blickt er zurück. „Zudem kam die EM zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Unsere Trainer und Athleten mussten einen wahren Spagat zwischen Training und Wettkampf machen. Diese EM war nicht wirklich der Olympiavorbereitung dienlich“, meint er abschließend.
Die Platzierungen: Damenflorett 1. Italien, 2. Frankreich, 3. Russland, 4. Polen, 5. Ungarn, 6. Deutschland, 7. Ukraine, 8. Großbritannien
Herrendegen: 1. Schweiz, 2. Ungarn, 3. Ukraine, 4. Frankreich, 5. Italien, 6. Tschechien, 7. Polen, 8. Russland, 13. Deutschland






