Knappes Aus im Viertelfinale
Die Enttäuschung von Degenfechter Jörg Fiedler nach seiner Niederlage im Viertelfinale gegen den Südkoreaner Jung Jinsun war zum Zeitpunkt des abendlichen Finals bereits um einiges abgeebbt, auch wenn die erhoffte Medaille in London verpasst wurde.
„Na klar hätte ich gern gewonnen“, blickt der 34-jährige Leipziger nochmals zurück. „Sicher war das ein ordentliches Turnier, aber das werde ich erst in zwei, drei Tagen begreifen. Jetzt bin ich enttäuscht: Wenn die Chance da ist, dann musst du sie auch nutzen. Wenn du so nah dran bist, dann willst du die Medaille auch haben.“
Vor jener 11:15-Niederlage gegen Jung sahen die zahlreichen Zuschauer, unter ihnen erneut viele deutsche Fans, einen Jörg Fiedler in alter Weltklasse-Form. Auftaktgegner Soren Thompson, „Den darf man nicht unterschätzen“, so Fiedler vorab, konnte allenfalls bis zum Ende des ersten Drittels mithalten. Dann wurde er vom Leipziger förmlich entzaubert, unterlag am Ende haushoch mit 4:15.
Mit Bas Verwijlen traf Fiedler anschließend nicht nur auf einen alten Dauerkonkurrenten, der Niederländer kam mit der Empfehlung eines Vizeweltmeisters nach London. Doch Jörg dürfte sich rechtzeitig daran erinnert haben, dass sich beide 2010 im EM-Finale von Sheffield gegenüberstanden. Und bekanntlich hatte der Sachse dort die Nase vorn.
Entsprechend souverän zog er im Achtelfinale seinen „Stiefel“ durch, setzte pro Drittel fünf Treffer, während der Niederländer vor allem im zweiten Abschnitt kein Rezept gegen den 34-jährigen fand. Mit 15:8 machte Jörg Fiedler das Gefecht erneut zur klaren Angelegenheit, hatte spätestens hier alle seine Kritiker eines Besseren belehrt.
Die Niederlage gegen den Südkoreaner im Viertelfinale wertet Fiedler später gewohnt sachlich und selbstkritisch aus: „Ich bin schlecht in die Mensur hinein gekommen. Er war zudem äußerst unbequem zu fechten. Ich musste nach dem Rückstand Druck machen und das hat er gnadenlos ausgenutzt.“
Sein Trainer Didier Ollagnon meint zum Wettkampftag: „Jörg war heute sehr gut, aber die anderen waren eben einen Tick besser. Er musste agieren und Jung hat ihn dann zu Fehlern gezwungen. Eine Platzierung unter den besten Acht ist eine gute Sache, doch wir sind angetreten, eine Medaille zu holen“, so der Franzose.
Ollagnon blickt zugleich nochmals auf die letzten Monate zurück: „Festzuhalten bleibt, dass sich Jörg von Wettkampf zu Wettkampf gesteigert hat. Spätestens in Legnano war das für alle sichtbar. Damit ist die Bilanz letztendlich positiv zu bewerten“.
Olympisches Gold ging am Mittwochabend an den Venezuelaner Ruben Limardo, der im Finale Bartosz Piasecki (Norwegen) mit 15:10 besiegte. Rang drei eroberte Jung Jinsun durch ein knappes 12:11 gegen Seth Kelsey (USA).
Nur kurz währte dagegen der Auftritt von Säbelfechterin Alexandra Bujdoso (Koblenz). Die 22-jährige lag lange in ihrem Auftaktgefecht gegen Sabina Mikina (Aserbaidschan) deutlich vorn. Doch irgendwie gelang es ihrer Kontrahentin, sich heranzuarbeiten. 13:15 unterlag eine ziemlich enttäuschte Alexandra gegen Mikina, verpasste damit den Einzug in das Achtelfinale von London. „Alex ist das Gefecht trotz deutlicher Führung entglitten“, fasst Sportdirektor Manfred Kaspar anschließend sachlich zusammen. „Da war mehr drin“ ergänzt er.
Siegerin des olympischen Damensäbel-Wettbewerbs wurde die Südkoreanerin Kim Jiyeon, die im Finale Sofia Velikaia (Ukraine) mit 15:9 bezwang. Titelverteidigerin Mariel Zagunis (USA) kam nach einer 10:15- Niederlage gegen Olga Kharlan (Ukraine) im kleinen Finale nur auf Rang vier.
"Nach Ende der Einzelwettbewerbe bleibt festzustellen, dass wir gar nicht so schlecht dastehen. Ein Mal Silber, dazu drei Platzierungen unter den Top acht in den olympischen Wettbewerben, kann sich durchaus sehen lassen“, meint Sportdirektor Manfred Kaspar in einer ersten Zwischenbilanz. „Jetzt hoffen wir natürlich auf die Mannschaften. Hier können wir unsere Medaillenbilanz sicher nochmals verbessern“, fügt er abschließend hinzu.
Die Platzierungen: Herrendegen: 1. Ruben Limardo (Venezuela), 2. Bartosz Piasecki (Norwegen), 3. Jung Jinsun (Südkorea), 4. Seth Kelsey (USA), 5. Paolo Pizzo (Italien), 6. Silvio Fernandez (Venezuela), 7. Yannick Borel (Frankreich), 8. Jörg Fiedler (Leipzig)
Damensäbel: 1. Kim Jiyeon (Südkorea), 2. Sofia Velikaia (Ukraine), 3. Olga Kharlan (Ukraine), 4. Mariel Zagunis (USA), 5. Vassiliki Vougiouka (Griechenland), 6. Irene Vecchi (Italien), 7. Zhu Min (China), 8. Dagmara Wozniak (USA), 20. Alexandra Bujdoso (Koblenz)




