Mehr Fechten in den Grundschulen
Fachtagung in Bonn bildet den Auftakt des Projekts „Fechten im Schulsport“ der Deutschen Fechterjugend.
Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein ist eine wichtige Säule der Nachwuchswerbung, und der Schulsport ein wesentliches Element, Kinder zum lebenslangen Sporttreiben zu ermutigen. In vielen Städten und Gemeinden gibt es durch begeisterte Lehrerinnen und Lehrer, die selbst fechten, und von engagierten Vereinen bereits Angebote im Schulsport – jedoch überwiegend im außerunterrichtlichen Bereich als Schul-AG oder Schupperkurs. Fechten im eigentlichen Sportunterricht findet praktisch nur als Schwerpunktsportart z.B. in Eliteschulen des Sport statt, wo Fechttrainer im Unterricht tätig sind.
Mit dem Projekt „Fechten im Schulsport“ möchte die Deutsche Fechterjugend einen Beitrag leisten, verstärkt den Fechtsport in den Unterricht zu bringen und so bereits früh Kinder für das Fechten zu begeistern. Den Auftakt dazu bildete die erste Fachtagung, die am 11. September in Bonn stattgefunden hat. Experten und Interessierte aus den verschiedensten Bereichen waren eingeladen, sich auszutauschen – mit dem Ziel, den Grundstein für eine Konzeption zu legen, die bereits im folgenden Schuljahr als Pilotprojekt ausprobiert werden soll.
Den Beginn der Tagung bildete eine Analyse der Ausgangssituation und Festlegung der Ziele. Zahlreiche Angebote existieren bereits im außerunterrichtlichen Bereich – beispielsweise in Schul-AGs. Auch verschiedene Erfahrungen im Bereich von ganzjährigem Fechtunterricht als Schwerpunktsportart einer weiterführenden Schule wurden diskutiert. Für alle Beteiligten war jedoch schnell klar: wenn die neue Schulsportkonzeption erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden soll, muss der Fokus auf einen klar umgrenzten Bereich gelegt werden und nicht gleich alle Baustellen und interessanten Felder gleichzeitig bearbeitet werden können. Nach intensiver Diskussion wurde der Schwerpunkt klar auf die Grundschule gelegt. Denn nur dort können die Kinder so früh erreicht werden, dass sie das richtige Einstiegsalter noch nicht überschritten haben und noch nicht auf andere Sportarten festgelegt sind.
Problematisch sind jedoch die Rahmenbedingungen. Im unterrichtlichen Schulsport stehen – je nach Bundesland – nur ungefähr sechs bis zehn Stunden pro Sportart zur Verfügung. Sportlehrer haben auch nur begrenzte Zeit für Fortbildungen, meist nur wenige Stunden. Fechten auf sechs Unterrichtsstunden komprimieren und von Lehrern vermitteln, die selbst ihr Wissen nur aus wenigen Stunden Fortbildung und ein paar Seiten Handreichung haben? Eine schwierige Angelegenheit – sollen die Kinder doch Fechten kennen lernen, eine qualitativ hochwertige Sportausbildung erhalten, die den Zielen des Schulsports gerecht wird und so viel Spaß haben, dass ein Interesse geweckt wird, Fechten dann in einer Schul-AG oder im Verein weiter zu verfolgen. Intensiv wurden die Möglichkeiten der Reduktion diskutiert, um Lehrinhalte festzulegen, die in der geringen Stundenzahl und der zu erwartenden Gruppengröße vermittelbar sind und trotzdem die Ziele erreichen. Auch müssen die Übungen so beschaffen sein, dass keine großen Investitionen in teure Sicherheitskleidung nötig sind und trotzdem Fechten in seinen Grundzügen erhalten und erkennbar bleibt.
„Ich habe mich sehr gefreut, wie engagiert die Diskussion geführt wurde“, äußert sich dfj-Vorsitzender Marcel Abts. „Mit den Ergebnissen der Arbeitstagung sind wir ein großes Stück weiter gekommen“, so Abts weiter. Das Ziel der Arbeitstagung – eine grundsätzliche Abstimmung der Inhalte der Ausbildung und eine Festlegung auf weiteres Vorgehen – konnte am Ende auch erreicht werden. Auf die Mitglieder der Arbeitsgruppe kommt aber noch eine große Menge Arbeit zu, um die nächste Arbeitstagung, die voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres stattfinden wird, inhaltlich vorzubereiten und die nötigen Experten mit ins Boot zu holen. Dann soll es aber ganz konkret werden und die Ausbildungskonzeption und Handreichung für die Grundschullehrerinnen und -lehrer auf dem Tisch liegen. „Wenn wir das so umgesetzt kriegen, ist das ist ein riesiger Schritt nach vorn!“, war dann auch das Fazit aus den Kreisen der Teilnehmer.
Informationen über das Projekt erhalten Sie im Jugendsekretariat der Deutschen Fechterjugend: info(at)fechterjugend.de


