Podest verpasst
Nicolas Limbach hatte die Hand in Sachen Edelmetall bei den Spielen in London schon ausgestreckt. Doch der Russe Nikolai Kovalev machte ihm am Ende einen Strich durch die Rechnung.
Für den Dormagener, vorab als Weltranglisten-Erster zum Favorit der olympischen Säbelentscheidung gekürt, lief zunächst alles nach Plan an seinem Wettkampftag.
Im 32-er Tableau überwand er ohne Mühe den Polen Adam Skrodzki 15:8. Der Achtelfinal-Kontrahent kam dann mit Benedikt Wagner aus dem eigenen Haus. So sehr sich der Trainingskamerad und Vereinskollege des Weltmeisters von 2009 auch wehrte, Limbach machte das Achtelfinale mit 15:7 zur klaren Angelegenheit. Im Viertelfinalkampf stand ihm mit dem Russen Alexej Kovalev einer jener Fechter gegenüber, den Trainer Vilmos Szabo später als „unbequem“ bezeichnet.
Was zu diesem Zeitpunkt bereits auffällt, ist, dass sich die eigentlichen Favoriten gleich reihenweise verabschiedet haben. Weltmeister Aldo Montano (Italien), Alexej Yakimenko (Russland) oder Gu Bon Gil (Südkorea), die Top-Leute der aktuellen Weltrangliste zählten bereits zu den Zuschauern. Für
Nicolas Limbach lief im Kampf um den Einzug in das Tableau der besten Vier zunächst alles nach Plan. Die erste Hälfte des Kampfes schloss er mit 8:7 ab, zeigte sich gewohnt souverän. Kovalev blieb jedoch weiter „dran“, ließ den Dormagener nicht davon ziehen.
Für eine mögliche Vorentscheidung sorgte dann aber nicht der Russe selbst, sondern der Obmann des Gefechts, der beim Stand von 12:13 eine klare Fehlentscheidung traf. Statt 13:13 stand es damit 12:14 gegen Nicolas Limbach. Kovalev konnte sich der nächsten Attacke Nicos erwehren, traf selbst und siegte am Ende 15:12. „Das war eine dicke Fehlentscheidung“, beklagte sich später Bundestrainer Vilmos Szabo. „Klar wirst Du dann ein wenig unsicher. Aber Nico hat versucht, sofort eine eigene Aktion zu bringen, dabei aber einen klaren Treffer gefangen“, ergänzt er.
Doch Szabo gehört nicht zu jenen, die mit „Hätte, wenn und Aber“ weiter klagen. „Wir wollten eine Medaille mit Nico holen, hatten gute Chancen. Es hat dennoch nicht geklappt. So ist Fechten“, fügt er hinzu.
Ein dickes Lob bekommt am Ende sein zweiter Schützling Max Hartung. Der 22-jährige aus Dormagen hatte das Vertrauen seines Trainers mehr als gerechtfertigt. „Bei den ersten Spielen in der Finalrunde, was willst Du mehr“ freut sich Vilmos Szabo über das Abschneiden von Max Hartung.
Der zeigte sich in London abgezockt und als Favoritenschreck. Im 32-er Tableau ließ er Luigi Tarantino (Italien) mit 15:14 hinter sich, im Achtelfinale bezwang er den Weltranglisten-Dritten, Gu Bon Gil (Südkorea) mit gleichem Ergebnis. Am späteren Olympiasieger Aaron Szilagyi (Ungarn) war er „nah dran“, unterlag dann doch zwei Treffern Unterschied. „Max hat hier sehr gut gefochten, eine gute Vorstellung abgegeben“, blickt Szabo zurück.
Auch sein dritter Mann, der Dormagener Benedikt „Peter“ Wagner, ließ kurz seine Klasse aufblitzen. Den Brasilianer Renzo Agresta überrannte er in seinem Auftaktgefecht mit 15:6. Wagners zweiter Gegner hieß dann im zweiten Kampf Nicolas Limbach. „Gegen Nico war Peter ohne Chance. Er kann dennoch mit sich zufrieden sein“, meint Vilmos Szabo.
Der fasst den Wettkampftag dann wie folgt zusammen: „Auch wenn wir die angestrebte Medaille verpasst haben, sind wir nicht ganz unzufrieden. Als einzige Nation drei Fechter unter den Top 15, das hat sonst keiner geschafft“, so der Erfolgstrainer. „Jetzt werden wir natürlich alles dafür tun, dass wir in der Mannschaft eine Medaille holen“, erklärt er abschließend.
Für Nicolas Limbach dürfte es am Abend nur ein schwacher Trost gewesen sein, dass er zum bereits dritten Mal den Gesamt-Weltcup nach 2009 und 2010 für sich entschied. An dieser Stelle hätte er wohl lieber mit Aaron Szilagyi getauscht, der im Finale gegen den Italiener Diego Occhiuzzi mit 15:8 die Oberhand behielt und sich damit als Olympiasieger feiern lassen konnte. Rang drei ging an Alexej Kovalev, der sich im kleinen Finale mit 15:10 gegen Rares Dumitrescu (Rumänien) durchsetzte.
Platzierungen: 1. Aaron Szilagyi (Ungarn), 2. Diego Occhiuzzi (Italien), 3. Nikolai Kovalev (Russland), 4. Rares Dumitrescu (Rumänien), 5. Nicolas Limbach (Dormagen), 6. Daryl Homer (USA), 7. Max Hartung (Dormagen), 8. Timothy Morehouse (USA), 14. Benedikt Wagner (Dormagen)
Beitrag des ZDF - Nicolas Limbach (Klick)
Beitrag des ZDF - Max Hartung (Klick)





