Der Optimismus bleibt
Ein Senegalese beendete abrupt die Medaillenträume von Degenfechter Jörg Fiedler (Leipzig) am zweiten Tag der Fecht-WM von Catania. „Ein Senegalese“, mag man fragen, wie geht denn das?
Die Antwort lässt sich einfach finden. Einst focht Alexandre Bouzaid für Frankreich, entdeckte dann seine Wurzeln im Senegal und schaffte damit den Sprung nach Catania. „Wir kannten den Gegner und wussten, dass die gewählte Taktik so passend ist“, meint Didier Ollagnon wenige Minuten nach Fiedlers Niederlage gegen Bouzaid.
Keiner der beiden Kontrahenten wagt den ersten Treffer. Passivität, letzte Minute, Vorteil Fiedler. Der 33-jährige trifft, zwingt seinen Gegner zur Aktion. Doch der reagiert, gleicht 12 Sekunden vor Ende des Gefechts zum 3:3 aus und platziert nur zwei Sekunden vor Kampfende den entscheidenden Treffer zum 4:3. „Ich bin natürlich stinksauer und extrem unzufrieden. Das habe ich mir anders vorgestellt“, meint Fiedler später im Interview. „Die Frage ist sicher berechtigt, ob es taktisch richtig war. Im Nachgang muss ich sicher sagen, die Entscheidung war falsch. Über andere Konzepte nachzudenken, ist jetzt müßig. Jetzt müssen wir die Weltcup-Turniere nutzen, um die Punkte zu holen. Der erste Gegentreffer passiert, den zweiten kriege ich nicht, da habe ich was falsch gemacht“, fügt er selbstkritisch hinzu.
Sein Trainer Didier Ollagnon ergänzt: „Wir haben die Entscheidung getroffen, diese Taktik zu wählen. Wir kannten den Gegner und wussten, dass diese Taktik so passend ist. Wir haben einen Vorsprung und den verbocken wir. Wir sind natürlich enttäuscht, bleiben aber sachlich, müssen jetzt die nötigen Punkte holen. Keine Frage, das war heute eine schwache Leistung. Ich bin Optimist, wir müssen jetzt nach vorn auf die nächsten Weltcup-Turniere schauen und uns darauf vorbereiten. Die Chancen stehen trotzdem gut“.
Fiedlers Nationalmannschafts-Kollegen Martin Schmitt (Tauberbischofsheim) erwischte es bereits im 64-er Tableau. Der EM-Zweite von Kiew 2008 unterlag bereits in seinem Auftaktgefecht dem Russen Igor Tourchine 13:15. Sven Schmid (Tauberbischofsheim) und Stephan Rein (Heidenheim) waren bereits in der Qualifikation ausgeschieden. „Insgesamt sind wir mit dem Verlauf nicht zufrieden. Im Team müssen wir noch einiges drauflegen“, so Trainer Ollagnon abschließend.
Neuer Degen-Weltmeister wurde Paolo Pizzo (ITA) der im Finale Bas Verwijlen (NED) mit bezwang. Rang drei teilten sich Fabian Kauter (SUI) und Kyoung Doo Park (KOR).
Platzierungen: 1. Paolo Pizzo (ITA), 2. Bas Verwijlen (NED), 3. Fabian Kauter (SUI), 3. Kyoung Doo Park (KOR), 5. Nikolai Novosjolov (EST), 6. Imre Geza (HUN), 7. Ruben Limardo (VEN), 8. Elmir Alimzhanov (KAZ), 18. Jörg Fiedler (Leipzig), 36. Martin Schmitt (Tauberbischofsheim), 89. Stephan Rein (Heidenheim), 121. Sven Schmid (Tauberbischofsheim)



