Bortolaso: "Wir sind auf einem guten Platz für die Olympia-Quali"


Eine Einschätzung von Bundestrainer Giovanni Bortolaso können Sie im dritten Interview zur WM lesen.

Wie bewerten Sie die Ergebnisse der WM 2018 im Einzel und im Team?

Eva Hampel hat für eine Überraschung gesorgt. Platz 16 ist für sie ihr bestes Wettkampfergebnis und ihre Saisonbestleistung. Nach einer schwierigen Saison ist das die Motivation, die sie braucht. Leonie Ebert hat mit ihren 18 Jahren dem Druck der starken Gegnerinnen Stand gehalten, nur gegen Errigo hatte sie keine Chance. Sie braucht noch ein bisschen mehr Erfahrung, und dann kann sie auch gegen eine Fechterin wie Errigo besser fechten. Ängstlich und nervös hat Leandra Behr ihre erste Weltmeisterschaft gefochten, gegen die Ungarin im Vor-Tableau war mehr drin, doch es hat nicht geklappt. Ebenfalls etwas vorsichtig ist Anne Sauer in das Gefecht gegen Nzingha Prescod gegangen. Gegen die Amerikanerin, die keine gute Saison gefochten hat, hat Anne dann verloren.

Im ersten Teamkampf haben wir Hongkong klar besiegt. Wenn das Team aggressiver auf die Bahn geht, haben wir gegen Frankreich eine Chance, denn in den letzten Gefechten waren wir nah dran. Nach der Niederlage im Viertelfinale fehlte zunächst die Motivation im ersten Platzierungsgefecht gegen Japan. Die Motivation haben sie erst im Gefecht gegen Russland wiedergefunden, welches wir gewonnen haben. Nach der WM haben wir auf der Weltrangliste zwar etwas an Plätzen verloren, aber wir sind noch auf einem guten Platz für die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020.

Fehlt Carolin Golubitsky im Team?

(überlegt) Ja. Mit Carolin gibt es eine andere Dynamik in der Mannschaft. Aber bei dieser WM haben auch Eva und Leandra ihre Aufgabe gut gemeistert.

Wie schätzen Sie den Nachwuchs im Damenflorett ein?

Es gibt ein paar gute Mädchen, aber die müssen noch etwas an sich arbeiten. In der nächsten Saison werde ich ein bis zwei junge Fechterinnen auf die Weltcups mitnehmen, damit sie an den Aktivenbereich herangeführt werden.

Welche Probleme sehen Sie noch im Damenflorett?

Wir müssen unsere Basis im Damenflorett verbessern, wir haben momentan zu wenig Nachwuchs im Damenflorett. Mit den jungen Sportlerinnen zusammen müssen wir auch in die jungen Trainer investieren, das heißt diesen Trainern die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln und ihnen auch den Freiraum dafür geben. Ein weiteres Problem, das ich ebenfalls sehe, ist der fehlende „Profi-Status“ der Athletinnen. Viele Fechterinnen haben eine Doppelbelastung mit Sport und Job, Studium oder Schule. In Frankreich, Italien oder Russland können die Athleten sechs Stunden am Tag trainieren und gehen danach nach Hause. Unsere Athleten müssen danach noch arbeiten gehen oder lernen.