Degen: „Es ist immer was Besonderes in Heidenheim zu fechten“


Beim Heim-Weltcup in Heidenheim konnte sich Stephan Rein von seiner besten Seite zeigen. Auf die Unterstützung aus seinem Heimverein konnte er sich verlassen.

Der Heidenheimer Pokal ist eine Institution des Fechtsports. Der deutsche Herrendegen-Weltcup wurde bereits zum 66. Mal ausgetragen und kann auf eine lange Tradition zurückblicken, die der Veranstaltung auch anzumerken ist. Viele Helfer aus dem Heidenheimer SB stehen jedes Jahr bereit, um den Verein bei der Ausrichtung zu unterstützen. Da gibt es dann diejenigen, die für den Kampfrichterraum Kuchen backen und Kaffee kochen oder die jungen Nachwuchsfechter, die als „Fecht-Erklärbären“ in der Halle umherlaufen, um Fechtlaien die Zweikampfsportart näher zu bringen. Diese Nachwuchsfechter sind aber auch für das Anfeuern der deutschen Fechter verantwortlich. „Klar, freue ich mich über die Unterstützung“, sagt Lokalmatador Stephan Rein. „Meinen Vater höre ich aus allen Stimmen immer heraus.“ Rein lacht. „Aber ich kenne auch jeden Besucher, der in die Halle kommt.“ Seit 13 Jahren nimmt Rein selbst beim Weltcup in Heidenheim teil. Davor hat er als junger Fechter mitgeholfen.

Auch für Bundestrainer Mario Böttcher ist der Heidenheimer Weltcup etwas Besonderes, wenn auch nicht wirklich entspannt. „Für mich ist ein Heim-Weltcup immer Stress, den ich aber auch genießen kann und somit auch gerne im Kauf nehme.“ Viele deutsche Fechter, die sonst keine Chance haben sich international auszuprobieren, haben hier eine kurze Anreise und können so Weltcup-Luft schnuppern und die einmalige Atmosphäre genießen. Aus Sicht von Böttcher ein gewaltiger Mehrwert.

Mit Platz 13 sicherte sich Stephan Rein aus deutscher Sicht die beste Platzierung bei diesem Weltcup. „Der Franzose Alexandre Bardenet war schneller als erwartet, damit kam Stephan nicht zurecht und hat es dem Gegner dann zu leicht gemacht“, sagte Bundestrainer Mario Böttcher. Vor seiner Niederlage im Achtelfinale schlug Rein Enrico Garozzo (15:9), der bei den Olympischen Spielen in Rio mit der italienischen Mannschaft Silber holte. Als nächstes besiegte Rein den Vorjahressieger des „Heidenheimer Pokals“, Kazuyasu Minobe aus Japan, ebenfalls deutlich mit 15:9. „Stephan kann mit seiner Leistung an beiden Wettkampftagen sehr zufrieden sein. Ihm hat ein Treffer gefehlt, um direkt für die 64er Direktausscheidung gesetzt zu sein. Er hat sich das Ergebnis hart erarbeitet“, sagte Böttcher.

Lukas Bellmann schied nach einem guten ersten Wettkampftag gegen den Japaner Koki Kano aus (13:15). Zuvor schlug er in der 64er Direktausscheidung den Ungarn Zsombor Banyai (15:12).

Der EM-Dritte von 2018, Richard Schmidt (FC Offenbach), verlor bereits in der 64er Direktausscheidung. Bereits das zweite Mal in Folge kam der Degenfechter nicht über das erste Gefecht hinaus. „Unter den Top 16 zu sein, ist kein Geschenk“, sagt Böttcher. „Du wirst immer als Favorit gesehen und dadurch strengen sich alle besonders an. Nichtsdestotrotz müssen wir bei Richy wieder an der Basis arbeiten.“

Beim VOITH Cup, dem Mannschaftswettbewerb in Heidenheim, traten Lukas Bellmann, Marco Brinkmann, Stephan Rein und Richard Schmidt an. In Bern noch gegen Hong Kong verloren, revanchierte sich das deutsche Team in einem spannenden Gefecht (45:40). Gegen die favorisierten Italiener gingen die deutschen Degenfechter hoch motiviert auf die Bahn. Die vier Fechter blieben immer dran und setzten die Italiener unter Druck. Zwischenzeitlich gelang es dem Team sogar in Führung zu gehen in. „Marco Brinkmann hat heute das gezeigt was er kann und ich bin froh, dass ich das miterleben durfte“, sagte der Bundestrainer. Doch leider konnte das Team nicht an diese Leistung anknüpfen und gab das Gefecht an die italienische Mannschaft ab. Sie verloren 36:45 und mussten dann in die Gefechte um die Plätze neun bis 16. Dort trafen sie auf die Mannschaft aus Frankreich, die überraschend gegen das israelische Team verloren hatte. Das französische Team musste ohne Yannick Borel antreten, der seine Teilnahme aufgrund von Problemen am Handgelenk absagen musste.

Nach einer kurzen Führung durch die Franzosen konnte das Gefecht mit einer überzeugenden Mannschaftsleistung der Deutschen gedreht werden. Wieder war es Marco Brinkmann, der das Gefecht sicher zu Ende brachte und damit den Sieg sicherte.

Gegen Kasachstan sah es länger nicht nach einem erfolgreichen Ausgang für die Mannschaft von Mario Böttcher aus. Nach der Hälfte des Mannschaftskampfes konnten sich Schmidt, Bellmann und Brinkmann gegen die Kasachen durchsetzen. 

Im letzten Kampf um Platz neun mussten sie sich gegen Japan beweisen. Nachdem Schmidt keine überzeugende Leistung in seinen ersten beiden Gefechten zeigen konnte, durfte Stephan Rein vor heimischem Publikum noch mal auf die Bahn. Er machte seine Sache gut und hielt sein Team im Rennen. Im letzten Duell konnte Brinkmann gegen Masaru Yamada einmal mehr sein Können zeigen und setzte elf Treffer. Mittlerweile tobte die Halle im Heidenheimer Congress Center und feuerte den Leverkusener an. Brinkmann gab alles, hatte am Ende das Glück aber nicht auf seiner Seite und verlor 43:45. „Marco war heute unser bester Fechter. Obwohl er der Jüngste von uns ist, hat er jedes Mal das Ding in die Hand genommen und uns wieder ran gebracht“, lobte Richard Schmidt seinen Teamkollegen.