EM Tiflis: Gold und Silber für deutsches Team

Die deutsche Fecht-Equipe hat am vierten Tag der Europameisterschaften in Tiflis gleich doppelt zugeschlagen. Säbelfechter Max Hartung sicherte sich in Tiflis Gold, Degenspezialistin Alexandra Ndolo erkämpfte Silber im Damendegen.

Fotos: Augusto Bizzi

Der 27-jährige Dormagener Säbelspezialist Max Hartung war in der georgischen Hauptstadt nicht zu stoppen. Nach souveräner Qualifikation für das Hauptfeld wurde er vornehmlich für die ungarischen Vertreter zum Albtraum. Andras Szatmari distanzierte er im Tableau der letzten 16 mit 15:4, dessen Landsmann Tamas Decsi ging im Viertelfinale mit gleichem Ergebnis unter. Lokalmatador Sandro Bazadze konnte im Halbfinale nur bis zum 9:9 mithalten. Dann legte der Dormagener gewissermaßen „eine Schippe drauf“ und gewann mit 15:11 gegen den Georgier. Von der Tatsache, dass ihm mit Aron Szilagyi der aktuelle Olympiasieger gegenüberstand, ließ sich der Schützling von Vilmos Szabo wenig beeindrucken. Sofort übernahm er die Führung im finalen Gefecht, besiegte den Ungarn schlussendlich in einem überragenden Kampf klar mit 15:7.

Ich habe sie heute alle rasiert“, erklärt Max Hartung lachend nach dem Finale. „Ich habe schon nach dem ersten Gefecht im K.O. gemerkt, das was geht. wenn man solche Leute wegputzen kann, weiß man, da ist alles drin.

Sein Coach Vilmos Szabo meint freudestrahlend: „Max war sensationell. er hat alle Gefechte im KO souverän gewonnen und ist verdient Europameister geworden. in drei Gefechten haben die Ungarn gegen ihn insgesamt nur 15 Treffer setzen können. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Schützling, das macht Hoffnung auf Leipzig. Ich möchte aber auch dem gesamten Team, seinen Trainingskameraden und den Dormagenern danken, die alle ihren Anteil an dieser Medaille haben.“

Knapp am Podium vorbei rauschte Benedikt Wagner, der sich bis zum Viertelfinale schadlos hielt. Erst Aron Szilagyi konnte den Dormagener stoppen, setzte sich mit 15:8 gegen den Vorjahressieger von Torun durch. „Benedikt hat hier ebenfalls überzeugt. Rang sechs ist ein Top-Ergebnis. Erwähnenswert ist zudem auch der 15. Rang von Björn Hübner, der schon überrascht hat“, so Bundestrainer Vilmos Szabo.

Das ist ein geiles Gefühl“, erklärt Alexandra Ndolo freudestrahlend über ihren Silberrang. „Ich habe mir das heute hier erarbeitet, habe immer von Gefecht zu Gefecht geschaut. Das war meine Strategie“, so die Leverkusenerin weiter.

Die 30-jährige hinterließ in Tiflis einen mehr als erfreulichen Eindruck, zeigte sich souverän und selbstbewusst. Fehlerfrei absolvierte sie die Vorrunde, ließ auf dem Weg in die Finalrunde nichts anbrennen und stand nach klaren Siegen verdient in der Runde der besten acht. Die Polin Eva Nelip fand kein fechterisches Rezept gegen „Alex“, wie sie von allen genannt wird, unterlag mit 11:15. Gleiches galt auch für die starke Estin Julia Beljajeva, die im Halbfinale mit 12:15 den Kürzeren zog. Erst die Russin Violetta Kolobova vermochte es, die Siegesserie der Alexandra Ndolo zu stoppen, setzte sich im Finale mit 15:10 durch. „Ich denke natürlich schon die ganze Saison an die WM in Leipzig, das ist ja der Höhepunkt. Da will man sich natürlich dem Heim-Publikum präsentieren. Ich bin glücklich, dass es heute so gut gelaufen ist“, blickt Alexandra Ndolo bereits nach vorn. Auf die Frage, welcher Trainer welchen Anteil an der Medaille hätte, erwidert sie: „Manfred Kaspar hat natürlich die Grundlagen meines Erfolgs gelegt. Unser neuer Trainer Dominik Csobo hat nochmal frischen Wind reingebracht.

Sportdirektor Sven Ressel blickt auf den Turniertag von Alexandra zurück und meint: „Alex hat hier einen super Wettkampf gefochten, alle Gefechte deutlich gewonnen. Das ist eine starke Leistung von ihr. Wir sind natürlich stolz auf ihre Silbermedaille.

Nicht unerwähnt will er den 12. Platz von EM-Debütantin Alexandra Ehler lassen, die erst im Achtelfinale gegen Julia Beljajeva ausschied, zuvor einen starken Wettkampf abgeliefert hatte. „Alexandra hat hier überzeugt. Das hat uns sehr überrascht. Wir freuen uns über ihr Abschneiden“, so Sven Ressel.

Die Platzierungen:

Herrensäbel: 1. Max Hartung (TSV Bayer Dormagen), 2. Aron Szilagyi (Ungarn), 3. Sandro Bazadze (Georgien), 3. Luca Curatoli (Italien), 5. Tamas Decsi (Ungarn), 6. Benedikt Wagner (TSV Bayer Dormagen), 7. Csanad Gemesi (Ungarn), 8. Andrej Jagodka (Ukraine), 15. Björn Hübner (FC Tauberbischofsheim), 27. Matyas Szabo (TSV Bayer Dormagen)

Damendegen: 1. Violetta Kolobova (Russland), 2. Alexandra Ndolo (TSV Bayer Leverkusen), 3. Emese Szasz-Kovacs (Ungarn), 3. Julia Beljajeva (Estland), 5. Eva Nelip (Polen), 6. Olena Kryvytska (Ukraine), 7. Lis Fautsch (Luxemburg), 8. Ana London (Israel), 12. Alexandra Ehler (Heidenheimer SB), 33. Beate Christmann (FC Tauberbischofsheim), 41. Monika Sozanska (FC Offenbach)