Große Freude über Nachwuchsleistungsstützpunkte

FC Moers, TSV Bayer Leverkusen und FSV Mülheim an der Ruhr. So heißen die drei Vereine im Rheinland, die vom Deutschen Fechter-Bund als Zentren des Nachwuchsleistungssports ausgezeichnet wurden. Es ist das Ergebnis der ersten Etappe des Projektes von Anja Schache (Referentin Nachwuchsleistungssport des DFB) „Dezentrale Strukturen im Nachwuchsleistungssport“, bei dem etwa die Hälfte aller Fechtvereine in Deutschland im Jahr 2013 an zahlreichen Umfragen und statistischen Auswertungen teilnahm.

Bild 1: Gilt fachlich wie menschlich als ein großes Trainervorbild in Deutschland: Janos Pethès ist der große Erfolgstrainer bei Bayer Leverkusen im Nachwuchsbereich.

Bild 2: Gewannen 2013 in Offenbach überlegen die deutsche Junioren-Meisterschaft: Lukas Bellmann, Robert Styn, Tim Kuchalski und Marco Brinkmann (v.l.n.r.).

Bild 3: Stolz über die Auszeichnung: Knut Oetter, Peer Semrau und Alexander Schiffers (v.l.n.r. im Trainingsanzug) mit ihren Fechtern.

Bild 4: Mülheims Nachwuchstalente im Damensäbel Vivien Domagala, Laura Hartel, Lara Lausch, Denise Robeck, Kassandra Köllner und Luisa Alefs (v.l.n.r.) bieten für die Zukunft große Perspektiven.

Beim TSV Bayer Leverkusen, der bei der Preisverleihung mit der Schwerpunktwaffe Degen gewann, hat das Fechten nicht nur eine über 100-jährige Tradition, sondern auch langjährige Erfolge im Spitzensport vorzuweisen. Bereits 1908 noch als TuS 04 Bayer Leverkusen gegründet, durchlebte die Fechtabteilung beide Weltkriege mit den damit verbundenen Schwierigkeiten, wo das Fechten durch die alliierten Sieger verboten wurde. Dabei kamen mit dem ersten Diplomfechtmeister der Nachkriegszeit Friedrich Wilhelm Eggert bereits die ersten Erfolge: Säbelfechter Dieter Löhr war mit dem Säbel 1960 in Rom der erste Olympiateilnehmer. Nach einem Generationswechsel errang Christiane Bellmann mit dem Florett 1984 und 1988 Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen. Als 1985 Arnd Schmitt das erste Mal Mannschaftsweltmeister wurde, war dies nur der Anfang eines deutschlandweit einmaligen Medaillenregens: er konnte bis 1999 insgesamt 18 Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen gewinnen. Mit Britta Heidemann, Bianca Becker, Marijana Markovic, Jens Pfeiffer und Roxanne Merkl bleiben nur einige genannt, die bis heute insgesamt 70 Medaillen für Bayer Leverkusen gewinnen konnten. Prägender Erfolgstrainer dieser Zeit war Gabor Salomon, der u.a. Arnd Schmitt sowie Britta Heidemann trainierte und maßgeblich daran beteiligt war Bayer Leverkusen in die fechterische Weltspitze zu führen.

Nach der Zeit von Gabor Salomon kristallisierten sich in den letzten 7 Jahren national wie international großartige Erfolge im Nachwuchsbereich heraus, für die der Verein nun die genannte Auszeichnung erringen konnte.  Diese Erfolge sind der Hauptverdienst von Janos Pethes, der seit 2003 hauptamtlicher Trainer bei Bayer Leverkusen für den Nachwuchsbereich ist. Er führt seine Schützlinge nunmehr fast jährlich zu den Kadetten- und Junioren Europa- und Weltmeisterschaften, auch dieses Jahr ist er wieder mit 3 Fechtern dort. Tim Kuchalski, der bereits 4 Mal an einer Weltmeisterschaft teilnahm, wurde 2011 Kadetten-Vizeweltmeister. Zusammen mit Lukas Bellmann, Robert Styn und Marco Brinkmann, die ihrerseits ebenfalls an Weltmeisterschaften teilnahmen, gewannen die Jungs 2013 die deutsche Junioren-Meisterschaft und 2011 zusammen mit Robert Kreilein (ebenfalls WM-Teilnehmer) und Carlo Kreuzahler die deutsche A-Jugend-Meisterschaft mit der Mannschaft.  Dazu kommen bei den Damen Julia Morawietz als deutsche A-Jugend-Meisterin und WM-Teilnehmerin 2010, Kristina Farkas (A-Jugend DM-Dritte 2013) und Noa Goedejohann (deutsche B-Jugend-Meisterin 2012). Insgesamt konnte Pethes mit seinen Schützlingen 22 Medaillen im Nachwuchs bei deutschen Meisterschaften von 2010-2013 erringen.

Nicht nur fachlich sondern auch menschlich ist Janos Pethes bei den Fechtern, Funktionären und Trainerkollegen hoch angesehen. Mit seiner ruhigen, bescheidenen, fairen aber trotzdem gradlinigen Art, ist er für viele Fechtfreunde in Deutschland ein Trainervorbild, dem die Erfolge in fechterisch eher schwierigen Zeiten nur Recht geben können.

Unterstützt wird die Fechtabteilung als Mitglied im Verbund Eliteschule des Sports außerdem durch ein Teilzeitinternat auf dem Vereinsgelände, das durch Lehrer der angrenzenden NRW Sportschule, des Landrat-Lucas-Gymnasiums versorgt wird. Mit Bayer als starken Hauptsponsor, exzellenten Möglichkeiten der dualen Karriereplanung und den starken Nachbarvereinen Bonn und Solingen im Degenkonzept NRW finden Nachwuchssportler in Leverkusen optimale Bedingungen vor.  Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro hat Leverkusen mit ihren Sportlern also realistische Ziele, dort wieder mit mehreren Athleten vertreten zu sein.

Auch der FSV Mülheim an der Ruhr hat eine lange Tradition vorzuweisen. Bereits seit 80 Jahren kreuzen in Mülheim begeisterte Fechtfreunde für die Klingen. Damals noch für die Fechtabteilung der Mülheimer Turngemeinde 1856 e.V. Im Jahre 1999 wurde der Verein aus finanziellen Gründen selbstständig gemacht und fungiert seit dem als eigener Fechtsportverein Mülheim an der Ruhr. Schon seit vielen Jahrzehnten wird der Verein von Knut Oetter geleitet, der „nebenbei“ auch seit über 40 Jahren das Amt des Vizepräsidenten Sport im Rheinischen Fechter-Bund innehat. Begonnen wurde beim FSV Mülheim mit allen Waffen. Schnell ergab sich, dass die Förderungsmöglichkeiten bei nur 120 Mitgliedern zu gering waren. Aus 3 Waffen wurden 2 – es blieben Florett und Säbel übrig. Aus denselben Gründen beschloss man 2008 ähnlich wie Bayer Dormagen ein paar Jahre zuvor, mit dem Säbel nur noch eine Waffengattung zu trainieren und die Florettfechter auf Säbel umzuschulen. Gute Florettfechterin, die damals auf Säbel umstieg, war die heute 19-jährige Julia Alefs, die zu ihrer Zeit in der B-Jugend mit dem Florett Vizelandesmeisterin wurde. Luisa Alefs, Schwester von Julia, sorgte mit dem Säbel wiederrum für Furore, als sie 2011 als junge A-Jugendliche Junioren-Landesmeisterin wurde und das Mülheimer Säbelturnier gewann. Darüber hinaus erreichte Vincent Kluger 2009 bei der deutschen B-Jugend-Meisterschaft im Einzel und in der Mannschaft den dritten Platz.

Den aktuellen Nachwuchs konnte man bei den letzten Schüler- und B-Jugend-Landesmeisterschaften in Solingen und Essen bewundern. In beeindruckender Weise gewannen Julius Schlicht, Vivien Domagala, Kassandra Köllner in der B-Jugend sowie Frederick Hafermaas, Mirco Stimper, Jacob Schlicht und Greta Walder bei den Schülern den Präsidentenpokal, bei dem als inoffizielle Landesmeisterschaft ausgesprochenen Mannschaftswettbewerb alle Säbel-Vereine aus dem Verband an den Start gingen. Auch bei den deutschen Meisterschaften konnte Vivien Domagala den 2. Platz in der B-Jugend-Mannschaft erreichen, ihre Vereinskollegin Kassandra Köllner holte sich den dritten Platz im Einzel.

Komplettiert wird der B-Jugend-Nachwuchs durch die aktuelle Vizelandesmeisterin Lara Lausch, die bei den kommenden deutschen Meisterschaften beste Chancen hat vorne mitzufechten. 

Neben Diplom-Fechtmeister Knut Oetter trainieren Peer Semrau und Alexander Schiffers das Jugendgemüse im Verein. Peer Semrau gehör schon seit Jugendzeiten als ehemaliger Florettfechter dem Verein an. Alexander Schiffers, seit 2007 als ehemaliger Säbel-Leistungsfechter aus Dormagen im Verein, hat sich insbesondere durch seine Kampfrichtertätigkeiten einen Namen gemacht. Mit internationaler Kampfrichterlizenz im Florett und Säbel sowie nationaler Lizenz im Degen vertritt er den Deutschen Fechter-Bund regelmäßig bei internationalen Großereignissen.

Sichtlich erfreut gibt sich Vereinsführer Knut Oetter über die Auszeichnung als Zentrum des Nachwuchsleistungssports. „Für einen kleinen Verein wie Mülheim mit bescheidenen finanziellen Mitteln, der keine eigene Halle hat und daher nur 3 Mal die Woche Training in Schulhallen anbieten kann, sind die Erfolge sehr beachtlich. Wir wollen unsere Erfolge auf Landesebene zunächst weiter festigen und schauen, wohin uns die Erfolge noch national führen werden.“

Hocherfreut zeigte sich auch RFB-Präsident Emmo Kawald über die Auszeichnung der Nachwuchsleistungszentren: „Moers, Leverkusen und Mülheim zeigen nicht nur die starke Nachwuchsarbeit, sondern sie zeigen auch, dass sich die Förderung aller Waffengattung als Spitzensport Früchte trägt. Wir können stolz darauf sein, in allen Waffen diese Nachwuchserfolge zu feiern. Mit TB Burgsteinfurt sowie Eintracht Dortmund aus Westfalen steht Fechten in Nordrhein-Westfalen auf dunkelgrün.“