Schreck: "Wir müssen den Nachwuchs richtig an die Hand nehmen"


In den nächsten Wochen können Sie auf fechten.org Interviews mit den Bundestrainern lesen. Sie bewerten die Ergebnisse der WM und beurteilen die Zukunft in Hinblick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020. Den Anfang macht Herrenflorett-Bundestrainer Uli Schreck.

Wie bewerten Sie die WM 2018 im Einzel und im Team?

Wenn man sich für die Olympischen Spiele qualifizieren möchte, dann muss die Mannschaft aus China, die rein von den Weltranglistenplätzen hinter uns steht, geschlagen werden. Das ist uns nicht gelungen, auch wenn es am Schluss knapp war. Im Hinblick auf Tokio 2020 kommt erschwerend hinzu, dass die Olympiaquali aus eigener Kraft nur schwer realisierbar ist. Wenn beispielsweise Frankreich oder Russland aus den TOP 4 der Welt rausrutscht, da laut Kriterien die erste europäische Mannschaft ab Platz fünf qualifiziert ist. Der Abstand zu diesen Mannschaften ist beträchtlich. Im Moment sieht eine Qualifikation im Einzel schwierig aus, bis zur Qualifikationsphase im April 2019 ist wenig Zeit, aber wir werden hart miteinander trainieren. Die Einzelergebnisse zu ergründen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Wie sehen Sie den Nachwuchs in Deutschland?

Wir haben seit Jahren ein enormes Nachwuchsproblem im Herrenflorett. Stützpunkte und viele Vereine spezialisieren sich auf eine oder maximal zwei Waffen, wie z. B. Heidenheim, die nur noch Degen ausbilden. In Tauberbischofsheim gab es durch die andauernden personellen Änderungen und Querelen keine gute Bedingung für die Waffe Herrenflorett. Personalentscheidungen haben auch in Bonn dazu beigetragen, dass Herrenflorett stagniert. Das sind alles Punkte, die dazu führen, dass wir zum einem in der Quantität und schlussendlich auch in der Ausbildung, sprich in der Qualität, kaum qualifizierte Trainer haben, die dort leistungsgerecht zuarbeiten. Es sind massive Änderungen von Nöten. Alles beginnt mit motivierten, gut ausgebildeten Trainern, die zunächst bis 2028 kontinuierlich den Nachwuchs aufbauen.

2028, das ist ein langer Zeitraum, gibt es denn momentan keinen Fechter, der da nach oben gehen kann?

Doch, es gibt einige, die sollten jedoch richtig an die Hand genommen werden und ständig miteinander an einem Standort trainieren können. Wir müssen uns jedoch besser in der Breite aufstellen und vor allem den Standort Bonn attraktiver gestalten, um den Talenten, die es noch gibt ein entsprechendes Umfeld zu garantieren.

Wie werden das Training und die Saisonplanung für die nächste Saison aussehen?

Wir haben bereits zum Saisonende eine Umstrukturierung im Jugendbereich vorgenommen. Es wird sich zeigen, ob dies den gewünschten Reiz setzt und wir darauf aufbauen. Bei den Aktiven wird die Lehrgangsintensität in Umfang und Inhalt erhöht. Damenflorett wird verstärkt in diesen Prozess eingebunden.

Die USA ist momentan eine der stärksten Nationen im Herrenflorett, wo ist da der Unterschied zu Deutschland?

Ich denke der größte Unterschied ist, dass die USA mehr Fechter haben, da es ja auch eine weitaus größere Fläche als Deutschland hat. Die USA profitieren auch von iher College-Struktur. Enorm viele Schüler –und Jugend Turniere tragen dazu bei, Wettkampferfahrung zuerlangen und damit im Junioren -und Aktivenalter stressresistenter agieren zu können. Zudem hat die USA ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein.

 

Anmerkung: Eine erste Version des Interviews wurde zwischenzeitlich von der Seite genommen, weil Fehler korrigiert werden mussten. Dafür bitten wir um Entschuldigung.