Szabo: Hohes Arbeitspensum für die Weltspitze


Analyse vom Herrensäbel Bundestrainer Vilmos Szabo.

Wie bewerten Sie die Ergebnisse der WM 2018 im Einzel und Team?

Alle haben eine gute Vorrunde gefochten und haben sich für das 64er qualifiziert, das ist positiv. Im einzeln betrachtet war das 32er für Richard ein gutes Ergebnis. Benedikt hat gut gefochten, und ich war mit ihm zufrieden, Matyas hätte noch weiterkommen müssen, und bei Max waren die Erwartungen nach dem EM-Titel natürlich größer, aber er war fechterisch schwächer als bei der EM. In der Mannschaft war mehr drin, aber Platz 5 ist am Ende in Ordnung. Im Vergleich zum letzten Jahr und dem 9. Platz ist das ein großer Unterschied. Mit dem 5. Platz haben wir uns wieder in der Weltrangliste vorgearbeitet. Für die nächste Saison haben wir somit im Achtelfinale einfachere Gegner. Das gibt für die Zukunft Chancen und macht Lust, den Kampf wieder anzunehmen.

Woran liegt es, dass ein Fechter wie Max Hartung Probleme beim Mannschaftskampf hat?

Ich habe darüber viel nachgedacht, und ich bin der Meinung, dass es keine psychischen Probleme, sondern taktische und/oder technische Fehler sind. Wir haben einige Male schon mit Max darüber gesprochen und werden in der Zukunft intensiv daran arbeiten.

Wo liegt momentan das Problem im deutschen Fechtsport Ihrer Meinung nach?

Es gibt verschiedene Probleme, die ich sehe. Momentan befinden wir uns in einem Generationswechsel. Es gibt einige noch aus der „Alte Garde“ aber langsam zeigen sich vermehrt junge talentierte Fechter.
Die weiteren Probleme sind aber vielfältig. Als größtes Problem sehe ich das jetzige Schulsystem mit G8. Die Sportler sind mit 17 oder 18 Jahren fertig mit der Schule und müssen sich dann für eine Sache entscheiden: Fechten und Studium oder nur Studium. Die fechterische Ausbildung wird dadurch um etwa zwei Jahre verkürzt und ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Zusätzlich haben wir zurzeit keine gute Förderung des Nachwuchses. Die Folge ist eine höhere und frühere Drop-out Quote. Das zweite Problem, was ich sehe, ist die Betreuung in einigen Vereinen: Sie muss an den Orten wie Verein, Stützpunkt und Internat verbessert werden. Das dritte Problem ist, dass die Trainingsinhalte und die Intensität nicht individuell an den Fechter angepasst werden. Das letzte Problem, was ich sehe, ist, dass wir ein Problem beim Trainernachwuchs haben. Die Situation wurde von den Verantwortlichen analysiert, und es werden in der Zukunft wichtige Maßnahmen durchgesetzt.

Wie sieht für Sie professionelles Fechttraining aus?

Zunächst einmal muss jeder Trainer einen Plan für sich und seine Gruppe erstellen, sowohl einen Monats- als auch einen Jahresplan. In einer Woche absolvieren wir am Bundesstützpunkt Dormagen bis zu zehn Trainingseinheiten, davon ist zweimal Athletiktraining. Zusätzlich wurde Yoga eingeführt. Dann gibt es zwei bis dreimal Lektionen und dann natürlich fechten, Partnerübungen usw. Im Vorfeld bin ich im ständigen Austausch mit meinen Fechtern, wann sie welchen Termin haben, sei es Uni, Job, Praktika, Bundeswehr o.ä. Die Intensität und Inhalte des Trainings müssen an die Trainings- und Turnierphase immer angepasst werden. Weiterhin werden im Jahr vier bis fünf Trainingslager mit ausländischer Beteiligung organisiert, entweder im Bundestützpunkt oder auch im Ausland. Das ist das „Arbeitspensum“, das wir am Bundesstützpunkt absolvieren und welches notwendig ist, um weiterhin in der internationalen Spitze zu bleiben.