Tokio: Joppich stark, dennoch keine Medaille für Florettherren


An Tag drei der Fechtwettbewerbe in Tokio traten die Florettfechter des Deutschen Fechter-Bundes im Einzel an. Mit Benjamin Kleibrink und Peter Joppich gingen zwei hochkarätige Olympia-Routiniers an den Start, komplettiert wurde der Auftritt von André Sanita, der erstmals bei olympischen Spielen antrat. Trotz starker Gefechte kamen die deutschen Fechter nicht über das Achtelfinale hinaus.

Während Benjamin Kleibrink dank besserer Weltranglistenplatzierung vom 64er K.O. befreit und somit direkt für die Runde der letzten 32 qualifiziert war, mussten Peter Joppich und André Sanita bereits in der ersten Runde auf die Planche gehen.

André Sanita traf in seinem ersten Gefecht auf Siu Lun Cheung aus Hongkong. Bei einem Zwischenstand von 8:14 schien das Auftaktmatch bereits verloren, doch Sanita startete eine phänomenale Aufholjagd und konnte das Gefecht mit 15:14 für sich entscheiden. Für ihn kam es dann aber in der Runde der letzten 32 knüppeldick: Mit Alessio Foconi stand er keinem geringeren als dem italienischen Weltmeister von 2018, amtierenden Europameister und Weltranglistenersten gegenüber. Sanita ging zwar ohne Respekt in das Gefecht und konnte gute Treffer setzen, musste sich dann aber 8:15 geschlagen geben. „André hat eine tolle Aufholjagd und viel Kampfgeist im ersten Gefecht gezeigt, hat danach aber mit Foconi seinen Meister gefunden“, kommentiert DFB-Sportdirektor Sven Ressel.

Überraschend auch das frühe Aus von Benjamin Kleibrink – wenngleich er verletzungsbedingt nicht seine volle Leistungsfähigkeit abrufen konnte. Sein erstes Gefecht musste er gegen den erfahrenen Ägypter Alaaeldin Abouelkassem, den Silbermedaillengewinner von London 2012 und zweimaligen Afrikameister bestreiten. Unter optimalen Bedingungen ein machbarer Gegner für Kleibrink, der seit Ankunft in Tokio bereits an einer Oberschenkelverletzung laborierte. Am Ende konnte er jedoch trotz guter Aufholjagd nur 11 Treffer erzielen und schied viel zu früh aus dem Wettbewerb aus. „Benni war sehr stark fokussiert. Dann machte ihm die Verletzung einen Strich durch die Rechnung, die ein normales Fechten auf diesem Niveau unmöglich machte. Das ist sehr bitter für uns alle, aber vor allem für Benni, der sich nochmal so viel vorgenommen hatte“, so Ressel.

Herausragend war dann die Leistung von Peter Joppich, der bereits seine fünften olympischen Spiele bestreitet. Der mittlerweile 38-Jährige traf in seinem ersten Gefecht auf den Kanadier Alex Cai, den er relativ mühelos mit 15:12 besiegte. Auch er musste sich im nächsten Gefecht auf einen bärenstarken Gegner einstellen. Der US-Amerikaner Alexander Massialas war einer der Favoriten auf Edelmetall nach Einzelsilber in Rio 2016 und ist derzeit auf Platz fünf der Weltrangliste gesetzt. Sicherlich ihn deutlich unterschätzend musste der Amerikaner dann aber kämpfen, um Joppich irgendwie in Schach zu halten. Am Ende konnte Joppich das Gefecht für sich entscheiden, gewann überragend mit 15:12 und zog in die Top 16 ein.

Was dann passierte ist an Tragik nicht zu überbieten. Der dritte Alexander sollte ihm kein Glück bringen. Im Achtelfinale gegen den Tschechen Alexander Choupenitch war Joppich ganz nah dran, führte zum Ende hin 13:12 und konnte nach dem Ausgleich nicht die zwei letzten Aktionen durchbringen – das Aus mit 13:15 für ihn.

„Peter war sensationell drauf!“, meint Ressel. „Ganz der Alte! Da wäre heute echt alles drin gewesen.“ Auch Joppich ist mit seinem Fechten zwar zufrieden, aber hätte gern noch mehr geschafft. „Bei seiner Form wären heute alle schlagbar gewesen“, bestätigt Ressel. „Ich bin heute gut ins Turnier reingekommen und war auch froh, dass ich schon das 64er fechten musste“, ergänzt Joppich. „Im ersten Gefecht lief noch nicht alles ganz optimal, aber gegen Massialas habe ich einen sehr guten Kampf hingelegt. Jetzt gegen Choupenitch im Achtelfinale war es auch ein sehr gutes Gefecht, ein hin und her. Leider habe ich im Mittelteil ein paar Treffer hintereinander kassiert, konnte das dann aber direkt wieder wettmachen. Beim Stand von 13:12 habe ich versucht eine zweite Absicht zu fechten, die leider vorbei ging und zum Ausgleich führte. Dann waren es leider Kleinigkeiten, die nicht mehr gestimmt haben. So habe ich leider verloren, aber es hätte auch anders ausgehen können. Ich bin auf jeden Fall mit meinem Fechten zufrieden und denke, das hat man auch gesehen.“

 

Ergebnisse Herrenflorett Einzel:

Gold:  Cheung Ka Long (Hongkong)

Silber: Daniele Garozzo (Italien)

Bronze: Alexander Choupenitch (Tschechien)

4. Takahiro Shikine (Japan)

5. Enzo Lefort (Frankreich)

6. Alaaeldin Abouelkassem (Ägypten)

7. Mohamed Hamza (Ägypten)

8. Kirill Borodatschew (Russland)

15. Peter Joppich (GER-Koblenz)

25. Benjamin Kleibrink (GER-Düsseldorf)

31. André Sanita (GER-Bonn)