Tokio: Säbelteam verpasst Medaille trotz starker Aufholjagd


Am ersten Tag der Mannschaftswettbewerbe traten die Säbelherren des Deutschen Fechter-Bundes an. Mit zurecht hohen Erwartungen an ihre eigene Leistung im Team mussten sich Matyas Szabo und seine scheidenden Mannschaftskollegen Max Hartung, Benedikt Wagner und Richard Hübers nach dem verlorenen Bronze-Gefecht gegen Ungarn mit dem vierten Platz zufriedengeben.

Es war ein Traum, der greifbar nah war: Die deutsche Säbel-Mannschaft, die nach den olympischen Spielen in dieser Konstellation nicht mehr antreten wird, wollte bei ihrem „letzten Tanz“ ihre gemeinsamen Erfolge mit einer Olympia-Medaille krönen.

Durch die gute Weltranglisten-Position vom ersten Gefecht der Top16 befreit, starteten sie fulminant in den Wettbewerb. Auftakt-Gegner war das Team aus Russland, mit keinem geringeren als Kamil Ibragimov, der im Einzel bereits Wagner und danach auch Szabo in knappen Gefechten zum Verhängnis wurde. Ein enges Match wurde vorhergesagt – Ausgang ungewiss, aber die deutsche Mannschaft zeigte einen überlegenen Auftritt und schickte das russische Team vorzeitig in die Platzierungsgefechte. Mit 45:28 konnten Hartung, Wagner, Szabo und Hübers (als Ersatzfechter) ins Halbfinale marschieren.

Dort trafen sie auf den Weltranglistenersten, das Team aus Korea. Es folgte ein Krimi auf der Bahn, bei dem die DFB-Auswahl nach einem guten Start zur Mitte des Gefechts in leichten Rückstand geriet. Im sechsten Gefecht konnte Szabo mit neun Treffern gegen den Koreaner Kim das Team wieder in Schlagdistanz bringen, bevor er sich im neunten und abschließenden Einzelgefecht unglücklich beim Zurückweichen verletzte. Nach kurzer Behandlungspause war klar: für ihn geht es nicht weiter, Ersatzmann Richard Hübers muss beim Stand von 37:40 übernehmen. Zunächst konnte er das Gefecht weiter offen gestalten, bevor sein Gegner, der Weltranglistenerste Sanguk Oh, dann das Gefecht am Ende mit 45:42 für Korea entscheiden konnte.

Nach dieser Niederlage ging es für Hartung, Wagner und Hübers ins Gefecht um Bronze – ausgerechnet gegen Ungarn, die zuvor überraschend gegen Italien verloren hatten und ihren frisch gebackenen Einzel-Olympiasieger Aron Szilagyi ins Rennen schickten. Der brachte die Ungarn direkt in Führung. Bis auf ein einziges ausgeglichenes Gefecht gingen die ersten sieben Einzelgefechte verloren. Die Ungarn hielten somit die Deutschen sicher auf Distanz, sodass Max Hartung mit beinahe uneinholbarem Rückstand von 40:26 sein letztes Gefecht gegen Olympiasieger Szilagyi antrat. Doch Hartung zeigte seine ganze Klasse, setzte Treffer um Treffer und holte bis zum 43:40 auf. Eine knappe Kampfrichterentscheidung zuungunsten des deutschen Teams brachte dann die Vorentscheidung und schlussendlich den Sieg und die Bronzemedaille für Ungarn.

DFB-Sportdirektor Sven Ressel musste das Erlebte erst einmal sacken lassen, sagt dann aber: „Der Kampf gegen Russland war sensationell, der Ausgang wirklich deutlich. Gegen Korea haben die Jungs auf Augenhöhe gekämpft, es war über alle Strecken ein wirklich enges Match, leider mit einer Verletzung von Matyas, die eine Auswechslung nötig machte. Gegen Ungarn sind wir dann von Beginn an einem Rückstand hinterhergelaufen und waren nicht in der Lage, emotional dagegenzuhalten. Der Ausfall von Matyas war wirklich bitter für das ganze Team und steckte möglicherweise allen auch ein bisschen im Hinterkopf. Aber Richard hat seine Sache sehr gut gemacht. Dass Max zum Ende noch einmal so eine Aufholjagd startet war grandios. Wir sind alle traurig, nicht enttäuscht, dass sich diese tolle Mannschaft am Ende nicht mit Bronze belohnen konnte.“

Bundestrainer Vilmos Szabo resümiert hinterher die Wettkampf-Leistung: „Wir haben gut angefangen, gegen Russland gab es einen sehr klaren Sieg. Unerwartet gut, alle drei haben super gefochten. Die Niederlage gegen Korea mit 42:45 hat weh getan, da waren wir dran und verlieren dann so knapp. Beim Kampf um Bronze muss man ehrlich sagen, da haben wir zwei Gefechte gewonnen. Damit kann man kein Match gewinnen. Das wäre mehr als eine Überraschung gewesen, gegen Szilagyi 19 Treffer zu machen. Wenn sie von Anfang an so gefochten hätten, wäre es ein klarer Sieg gewesen. Mental sind die Jungs eigentlich stark, sie haben eingangs schwach gefochten. Die Aktionen der Ungarn haben gerade am Anfang gut gepasst und uns auch überrascht.“

„Gegen Ungarn haben wir zu spät angefangen“, meint Max Hartung. „Die Aufholjagd, das waren ja schon ein paar Punkte, aber so viele sind dann vielleicht doch ein bisschen viel verlangt gegen einen Olympiasieger. Ich glaube, wir haben uns trotzdem gut verkauft und können stolz sein, auch wenn es jetzt erst einmal weh tut.“  Die Verletzung von Matyas sei „ganz bitter, weil Matyas einfach im Moment sowas von bombig in Form ist und auch gegen Korea herausragend gefochten hat“, sagt Hartung ganz klar. „Er hat uns gefehlt und das hat uns erst mal aus der Konzentration geworfen. So eine Verletzung, das macht ja auch immer etwas mit dem Team. Und dann haben wir ein bisschen gebraucht, um wieder klarzukommen. Und das war zu spät“.

 

Ergebnisse Herrensäbel Team:

Gold:  Südkorea

Silber: Italien

Bronze: Ungarn

4. Deutschland

5. Ägypten

6. Iran

7. Russland

8. USA