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DFB-Team

Einblicke in Bundeseinheitliche Diagnostiktests des DFB

In den vergangenen zwei Jahren haben der DFB und seine Verantwortlichen die interne Leistungssportdiagnostik standardisiert, verfeinert und auf den neuesten wissenschaftlichen Stand im Spitzensportbereich gebracht. Gegenüber fechten.org gibt die Bundestrainerin Wissenschaft im DFB, Sunju Macko, interessante Einblicke.

Nicht nur für DFB-Sportdirektor Tobias Kirch ist die athletische Komponente im Fechten nochmals deutlich wichtiger geworden. “Sie hat sich gerade im Bezug auf die Weltspitze deutlich weiterentwickelt und ist eine absolute Leistungsvoraussetzung”, sagt Kirch, der nach seinem Amtsantritt zusammen mit der Bundestrainerin für Wissenschaft, Sunju Macko und weiteren Mitarbeitenden im DFB der Fragestellung nachging: Wie kommen die athletischen Inhalte noch besser zu den Kaderathletinnen?

Entwickelt habe man laut Kirch in den vergangenen Jahren bundeseinheitliche Athletiktests für den Landeskaderbereich sowie eine “mehrstufige, komplette Leistungssportdiagnostik” (KLD) für den Bundeskaderbereich, so Kirch. Gegenüber fechten.org gibt Sunju Macko interessante Einblicke zur Diagnostik.

Leistungsdiagnostik bezeichne die systematische Erfassung der körperlichen Leistungsfähigkeit von Athlet*innen, so Macko. “Ziel ist es, zentrale athletische Voraussetzungen objektiv zu messen und daraus Rückschlüsse für Trainingssteuerung und Leistungsentwicklung abzuleiten.” Im Fechten spielten dabei insbesondere Fähigkeiten wie Schnelligkeit, Explosivkraft, Reaktionsfähigkeit, Richtungswechsel und Belastungsresistenz eine wichtige Rolle. “Diese Faktoren bilden die Grundlage, auf der technische und taktische Fähigkeiten im Wettkampf umgesetzt werden können.”

Warum ist Leistungsdiagnostik im Fechtsport wichtig?

Sportwissenschaftliche Untersuchungen zeigen klar auf, dass bestimmte athletische Fähigkeiten eine wichtige Grundlage für erfolgreiche Aktionen im Gefecht darstellen. “Explosivkraft beeinflusst beispielsweise die Dynamik von Ausfällen, Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit sind entscheidend für Angriffe und Konter, und eine gute Belastungsresistenz ermöglicht es, über ein gesamtes Turnier hinweg konstant leistungsfähig zu bleiben."

Macko beruft sich zudem auf eigenen Analysen. Demnach haben deutsche Athlet*innen, die international erfolgreich sind und innerhalb der Top 100 der Weltrangliste liegen, in mehreren athletischen Parametern häufig überdurchschnittliche Werte im Vergleich zur gesamten Kadergruppe. “Das bedeutet nicht, dass Athletik allein über Erfolg entscheidet. Sie bildet jedoch eine entscheidende Grundlage, auf der technische und taktische Fähigkeiten im Wettkampf wirksam umgesetzt werden können.”

Deshalb ist die Leistungsdiagnostik im Deutschen Fechter-Bund zur neuen Saison 2025/2026 bundeseinheitlich standardisiert aufgebaut worden. “Ziel ist es, zentrale athletische Leistungsbereiche des Fechtsports systematisch zu erfassen und über mehrere Jahre vergleichbar zu dokumentieren. Dabei betrachten wir verschiedene athletische Fähigkeiten wie Schnelligkeit, Explosivkraft, Ausdauer und Kraft. Die Ergebnisse ermöglichen es uns, individuelle Leistungsprofile zu erstellen und Trainingsprozesse gezielt zu steuern”, erklärt Macko. Kirch ergänzt: “Im Bundeskaderbereich mit dem mehrstufigen Ansatz haben wir mehrmals in der Saison und rechtzeitig vor Saisonhöhepunkten die Chance, bei Athleten feinzujustieren oder gar gegenzusteuern, wenn es Auffälligkeiten gibt.”

Wann und wo finden die Tests statt und für wen?

Die Leistungsdiagnostik richtet sich an Athlet*innen der Landes- und der Bundeskader. Für die OK- und EK-Athlet*innen findet sie in der Regel dreimal pro Saison an den jeweiligen Olympiastützpunkten (OSP) der Disziplinen statt. Die Testungen werden so terminiert, dass sie zentrale Phasen der Saison abbilden, beispielsweise zum Saisonbeginn, einige Wochen nach dem Saisonstart sowie im weiteren Saisonverlauf. Für die NK1-Athlet*innen erfolgt die erste Leistungsdiagnostik im Rahmen zentraler Maßnahmen beim Auftaktlehrgang. Eine weitere Testung findet im Verlauf der Saison an den jeweiligen OSP statt.

An der Leistungsdiagnostik beteiligt ist das wissenschaftliche Kompetenzteam des DFB, Trainingswissenschaftler der OSP sowie das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT), mit dem der DFB auch die Anerkennungskriterien für das DFB-Zertifikat ‚Landesstützpunkte mit nationaler Bedeutung‘ entwickelt hat.

“Die Ergebnisse der Diagnostik werden gemeinsam mit den Bundestrainer*innen ausgewertet und bilden eine wichtige Grundlage für die Trainingssteuerung. Auch Heimtrainer*innen und Athletiktrainer*innen können die Ergebnisse in ihre Trainingsarbeit einbeziehen”, erklärt Macko.

Wie läuft die Leistungsdiagnostik ab?

Am Testtag durchlaufen die Athlet*innen verschiedene Teststationen, an denen unterschiedliche athletische Fähigkeiten überprüft werden." Die einzelnen Tests werden von Trainingswissenschaftler*innen sowie Sportwissenschaftler*innen der OSP und des IAT durchgeführt." Die erhobenen Daten würden anschließend dokumentiert und in das Datenmanagementsystem IDA übertragen. “Dort können die aktuellen Ergebnisse mit früheren Testungen verglichen und individuelle Entwicklungsverläufe nachvollzogen werden”, sagt Macko.

Die Leistungsdiagnostik schaffe so eine objektive Grundlage für die Trainingssteuerung. Bundestrainer*innen, Heimtrainer*innen und Athletiktrainer*innen erhalten Hinweise darauf, in welchen Bereichen Athlet*innen besonders gut entwickelt sind und wo gezielte Trainingsschwerpunkte gesetzt werden können. “Darüber hinaus ermöglicht sie, Entwicklungen über längere Zeiträume hinweg nachzuvollziehen und Trainingsmaßnahmen besser zu evaluieren.”

Macko ist es wichtig zu betonen, dass die Daten nicht nur den Athlet*innen selbst zur Verfügung stehen, sondern, dass diese mit Bundestrainer*innen, Heimtrainer*innen und Athletiktrainer*innen geteilt werden. Dankbar ist sie für die Unterstützung der Trainingswissenschaftler*innen der OSP sowie des IAT bei der Interpretation der Ergebnisse.