Larissa Eifler bekam erst nach dem gewonnenen Finale weiche Knie. Die DFB-Sensation fiel am Sonntagabend in Hongkong nach dem letzten Treffer in die Hocke und konnte unter Freudentränen ihren Erfolg kaum fassen. Wenige Sekunden später stürmten ihre Teamkolleginnen und weite Teile der deutschen Delegation die Planche und ließen die neue Weltmeisterin hochleben.
Nach einem 15:10 über Sara Balzer (Frankreich, Nummer 9 der Weltrangliste), eine Welt-, Europameisterin und Medaillengewinnerin bei olympischen Spielen, krönte sich Eifler, selbst die Nummer 33 der Welt, nach einer weiteren Weltklasseleistung überraschend zur Titelträgerin. Es ist die erste deutsche Einzel-Goldmedaille bei einer WM seit 16 Jahren. 2010 gewann Peter Joppich Gold im Herrenflorett. Bei den Damen geht der letzte Einzel-Titel auf Britta Heidemann zurück (2007, Damendegen).
Eifler: “Eine großartige Belohnung”
Eifler selbst sagte: “Ich bin überwältigt und weiß nicht, was ich sagen soll. Das ist noch nicht glaubwürdig, aber ein richtig geiles Gefühl.” Der Titel bedeute ihr unheimlich viel: “Ich hatte immer das Gefühl, dass ich unterschätzt werde und dass ich irgendwie mein Potential so oft nicht abrufen konnte. Jetzt fühlt es sich nach den vielen Jahren harter Arbeit einfach wie eine großartige Belohnung an.”
Sie habe heute versucht, “jeden einzelnen Moment” auf der Fechtbahn zu genießen und “ich echt Spaß” hatte, so die Weltmeisterin. Sie sei während des gesamten Wettkampftages positiv geblieben. “Denn es waren zum Teil so schwierige Matches und ich habe oft zurückgelegen und bin immer zurückgekommen.” Gegen Balzer holte Eifler ein 0:5 auf und drehte das Finale nach einem 6:6 mit tollen Attacken erst in ein 10:7 und 14:9 - bevor ihr beim 14:10 der letzte Treffer gelang. “Sonst bin ich hektisch geworden oder habe gezweifelt. Heute hatte ich ein sehr gutes Mindset, das für mich den Unterschied gemacht hat. Ein besonderer Dank gilt an meine Trainer und Teamkolleginnen, die immer hinter mir stehen und an mich glauben”, sagte Eifler und betonte zudem die Unterstützung des Verbandes und ihres Arbeitgebers, der Bundeswehr.
Sportdirektor Kirch: “Unfassbar gute mentale Einstellung”
DFB-Sportdirektor Tobias Kirch sagte: "Dass Larissa sehr gut Fechten kann, wussten wir schon lange. Heute hat sie das mit einer unfassbar guten mentalen Einstellung kombiniert. Wir sind alle sehr stolz auf sie und ihr Trainerteam", sagte Kirch und nannte dabei Vilmoz Szabo, der als Cheftrainer an der Spitze am Sonntag in der Box saß und Marius Galatanu. "Ein Dank gilt auch der gesamten Trainingsgruppe am Bundesstützpunkt in Dormagen", so Kirch.
DFB-Präsident Benjamin Denzer sprach von einem “historischen Erfolg”. “Mit der ersten Goldmedaille einer Fechterin seit Britta Heidemann 2007 macht sie ganz Fecht-Deutschland glücklich. Meine herzlichen Glückwünsche gehe zuallererst an Larissa sowie an den Bundestrainer, die Trainingsgruppe und das persönliche Umfeld.” Ein solche Weltmeistertitel sei immer auch eine Teamleistung. “Larissa hat in einzigartiger Manier ihr fechterisches Können unter Beweis gestellt. Diese Goldmedaille gibt dem gesamten deutschen Team Kraft, Mut und Entschlossenheit auf dem Weg zu den Olympischen Spielen.”
Die 27-Jährige Eifler hatte sich nach mehreren Siegen gegen Weltklasse-Gegnerinnen bis ins Finale gekämpft. In der Vorschlussrunde besiegte Eifler die zweimalige ungarische Weltmeisterin Sugar Katinka Battai (Nummer vier der Weltrangliste) mit 15:11.
Entscheidend dabei war ein perfekter Start zum 8:1. Auch als die Ungarin auf einen Treffer herankam, behielt Eifler die Nerven und strahlte am Ende über den Finaleinzug. Im Viertelfinale besiegte Eifler die südkoreanische Olympia-Silbermedaillengewinnerin Sebin Choi mit 15:10.
Eifler wurde unter den letzten 64 als Nummer 33 der Welt gegen die Polin Julia Cieslar (128 Weltrangliste) ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann 15:6. In der Runde der letzten 32 traf die deutsche Hoffnung auf die höher gerankte Mexikanerin Natalia Botello (Weltrangliste 24). Doch Eifler gewann erneut souverrän mit 15:7.
Im Achtelfinale wartete Manon Apithy auf die 27-Jährige. Die Französin ist Olympiasiegerin, mehrmalige Welt- und Europameisterin und gewann unter anderem 22 Weltcups. Doch Eifler, unbeirrt von den Erfolgen der Gegnerin, siegte in beeindruckender Manierr mit 15:12.
Felice Herbon hatte unter den letzten 64 mit Sara Balzer (Frankreich, Nummer 9 der Weltrangliste) eine Welt-, Europameisterin und Medaillengewinnerin bei olympischen Spielen als Gegnerin auf der Planche stehen. Sie unterlag 10:15 und belegte Rang 55. Funke traf auf die Asienmeisterin Yui Sano (25 der Weltrangliste) und verlor 12:15. Sie wurde 44.