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Nach Silber bei der EM will Alexandra Ehler auch bei der WM in Hongkong angreifen. Foto: Bizzi
Nach Silber bei der EM will Alexandra Ehler auch bei der WM in Hongkong angreifen. Foto: Bizzi
DFB-Team

WM-Insights: So bereiten sich die DFB-Teams in Hongkong vor

Am Mittwoch startet mit den Fecht-Weltmeisterschaften der Herren und Damen in Hongkong der Saisonhöhepunkt. Die Mehrzahl der 24 DFB-Starter*innen bereitete sich bewusst zur Akklimatisierung bereits frühzeitig bei Lehrgängen in China auf die WM vor. fechten.org hat mit Verantwortlichen, Bundestrainern und Athlet*innen für einen XXL-Vorbericht gesprochen und Stimmungen vor dem Start in die Vorrunden aus Hongkong eingeholt.

Dieter Lammer hatte am Montag im Gespräch mit fechten.org ausschließlich Positives zu berichten. Die wichtigste Nachricht des Delegationsleiters zwei Tage vor dem Beginn des Saison-Höhepunkts: "Heute sind die Säbelfechterinnen- und Fechter wohlbehalten angekommen." Am Dienstag folgen noch die Degen-Herren, alle weiteren Teams waren am Freitag bereits aus Frankfurt in die Metropole (ca. 7,3 Millionen Einwohner) und Sonderverwaltungszone an der Südküste Chinas angereist.

"Wir haben als Verband in eine sehr professionelle und individuelle Vorbereitung sowie Akklimatisierung in Asien investiert", betonte Tobias Kirch. Der DFB-Sportdirektor und die weiteren Verantwortlichen haben den 24 deutschen Starterinnen quasi Zeit erkauft, um sich an die sechs Stunden Zeitverschiebung, die hohe Luftfeuchtigkeit und die generellen Gegebenheiten in Hongkong zu gewöhnen. 

Teilnahme an Lehrgängen in Peking und Shenzhen

Erst am Mittwoch, fünf Tage nach Anreise, starten die Florett-Herren und die Degen-Damen am ersten Wettkampftag mit den Vorrunden in die WM. Zudem waren einige Nationalmannschaften bereits frühzeitig an verschiedenen asiatischen Standorten, um an internationalen Lehrgängen in Peking und Shenzhen teilzunehmen.

Anders als bei den Europameisterschaften im französischen Antony bei Paris, bei denen das DFB-Team mit Silber im Einzel durch Alexandra Ehler und Bronze im Team durch die Florett-Herren zwei Medaillen gewann, werden in Hong Kong Tag für Tag zunächst die Vorrunden in den verschiedenen Waffen ausgefochten. Erst danach folgen die K.o.-Runden und Team-Wettbewerbe.

DFB-Sportdirektor Kirch: “Kompaktheit auf Weltniveau dokumentieren”

"Uns ist es bei den Europameisterschaften über die Medaillen hinaus gelungen, in der Breite deutlich stärker als in den vergangenen Jahren aufzutreten. Als nächsten Schritt sollten wir diese Kompaktheit auch auf Weltniveau dokumentieren können und Top-Acht-Platzierungen im Einzel und Team anstreben", erklärte Kirch. Nahezu alle Fechterinnen und Fechter seien fit und würden in guter Form in die Wettkämpfe starten, so Kirch, der lediglich einschränkte: “Leider ist Felice Herbon etwas angeschlagen vor dem WM-Start.” (Lesen Sie weiter unten mehr).

Die frühe Anreise führte dazu, dass die Wettkampf- und Trainingshalle am ersten Tag noch nicht zum Fechten genutzt werden konnte. Die deutschen Athlet*innen absolvierten zur ersten Eingewöhnung in gemeinsamen Gruppen am Samstag mit den Bundestrainern Einheiten im Kraftraum des Hotels, das Dieter Lammer als "wunderbar" bezeichnete. "Die Wege in Halle sind bestens organisiert mit pünktlichen Bussen, die nur zehn Minuten benötigen. Waffenkontrollen und Akkreditierungen haben bis hierhin bestens funktioniert." 

So sind die Bedingungen vor Ort

Lammer wird, wie so oft, von der so erfahrenen Reka Szabo als stellvertretende Delegationsleiterin unterstützt. Außerdem für den DFB bei der WM im Einsatz sind neben den sieben Bundestrainern (Infos weiter unten) Mannschaftsarzt Dennis Sankat, die Physiotherapeuten Daniel Hummen und Peter Anzer sowie der Techniker Enrico Sourisseaux. Den DFB als Kampfrichter repräsentieren Tim Bardenhagen sowie Tom Möller. 

Am Sonntag und Montag absolvierten die deutschen Nationalfechter ihre ersten Fechteinheiten in der sehr geräumigen "Asiaworld-Expo" unweit des internationalen Flughafens: "Die Halle ist sehr cool und bietet viel Platz. Sogar der Trainingsbereich ist relativ großzügig und heute war es noch recht ruhig und hat unseren Athlet*innen bestmögliche Trainingsmöglichkeiten geboten", sagte Anne Kleibrink, die aufgrund ihrer Schwangerschaft die Saison beendet hat, das deutsche Team vor Ort unterstützt und Eindrücke über den Instagram-Account des DFB teilen wird. Die Luftfeuchtigkeit draußen sei heftig. "In der Halle ist es aber sehr gut heruntergekühlt. Das ist sehr wichtig für die Athleten, um eine gute Wettkampf-Qualität zu gewährleisten."

Nachfolgend finden Sie noch Informationen zu den einzelnen Teams:

Herrenflorett

"Die Bronzemedaille bei der EM hat sicher einen positiven Schub gegeben, den wir in die WM-Vorbereitung mitnehmen konnten", berichtete Bundestrainer Benjamin Kleibrink, der mit seinen Startern Alexander Kahl, Bastian Kappus, Niklas Diestelkamp und Luis Klein am Mittwoch den WM-Auftakt bestreitet. Die EM-Mannschaftskämpfe, so erfolgreich sie gewesen seien, hätten noch den ein oder anderen Input für die anstehenden WM-Begegnungen mitgegeben. 

Das enge Aufeinanderfolgen von EM und WM im Fechtsport sei für den Olympiasieger "leider" seit langer Zeit normal, sodass man sich notgedrungen mit der Zeit daran gewöhne. "Wir haben gerade in den letzten Tagen vor der Abreise versucht, noch einmal qualitativ gute und intensive Fechteinheiten zu absolvieren, um gut vorbereitet in die WM zu gehen." Alle Athleten seien fit und "haben die WM Vorbereitungsphase gut" überstanden. 

Damendegen

Nach einer kurzen Pause sei sein Team mit einem Trainingslager in Prag in die WM-Vorbereitung gestartet, erklärte Bundestrainer Dirk Schiffler. "Zusammen mit Tschechien, Polen und Österreich haben wir auf hohem Niveau trainiert." In den letzten Tagen vor der Abreise sei dann wie vor der EM das bewährte normale Stützpunkttraining in Bonn durchgeführt worden.

Alexandra Ehler nach EM-Silber, Gala Hess Sancho, Alexandra Zittel und Fiona Müller starten ebenfalls am Mittwoch in die Vorrunden. 

"Wir wollen die gute Stimmung durch die sehr guten Ergebnisse bei der EM mit in die WM nehmen und versuchen dort an die Leistung anzuknüpfen", sagte Schiffler, der an gute Siege mit dem Team innerhalb der Saison unter anderem gegen Italien, Ukraine und Polen erinnerte. "Daher hoffen wir, dass uns Ähnliches auch in Hongkong gelingt."

Männerdegen

DFB-Talent Matthew Bülau nutzte wie seine Nationalmannschafts-Kollegen Jakob Stange, Lukas Bellmann und Marco Brinkmann die kurze Zeit zwischen EM und WM für Routinen. Das Quartett startet am Donnerstag in die Vorrunden.

"Zusätzlich hatten wir echt wertvolle Lehrgänge erst am Bundesstützpunkt in Leipzig. Dann sind wir ins chinesische Shenzhen gereist, um an einem internationalen Lehrgang teilzunehmen."

Der 21-Jährige habe nach Knieproblemen einige Physioeinheiten hinter sich. "Ansonsten haben wir mit den Trainern an Details und dem letzten Feinschliff gearbeitet."  Bülau selbst will beim Saisonhöhepunkt seine beste Leistung abrufen und das Haupttableau und da dann die Top 32 erreichen. "Das ist auch möglich. Im Fechten ist dann vieles offen."

Damensäbel

Säbel-Hoffnung Larissa Eifler und ihre Teamkolleginnen Felice Herbon, Julika Funke und Lena Stemper sind bereits mehr als eine Woche in Asien. "Wir haben in Peking an einem sehr guten internationalen Trainingslager teilgenommen", berichtete Eifler. Die Bedingungen seien top, das Training und die Stimmung gut gewesen. "Das hilft gegen die Anspannung vor so einem Großereignis", sagte Eifler. Die Vorrunden für das Quartett steigen am Donnerstag

Eifler habe nach einer für sie nicht so guten EM "alles getan, was in meiner Hand liegt", um bei der WM zu performen. Die Stimmung im Team sei sehr gut. Etwas getrübt wurde die Atmosphäre von einer Verletzung von Teamkollegin Felice Herbon, die die vergangenen zehn Tage  genutzt hat für physiotherapeutische Behandlungen - aber auch fecht-spezifische Einheiten. "Im Team ist unser Ziel die Top acht", so Eifler.

Damenflorett

Bundestrainer Peter Joppich berichtete von zwei intensiven Lehrgängen. Eine internationale Maßnahme mit weiteren Nationalteams in Italien. "Und ein sehr gutes Trainingslager in Tauberbischofsheim bis Sonntag vor einer Woche." Danach seien seine Athletinnen Carlotta Morandi, Leonie Ebert, Kim Kirschen und Marie Höfler für den Feinschliff bis zum Abflug an ihre Heimstandorte zurückgekehrt. 

Das Quartett startet am Freitag in die Vorrunde. Auch für Joppich seien die fast sechs Tage Akklimatisierung bis zum Wettkampf sehr wichtig.

Männersäbel

Frederic Kindler berichtete von zunächst zwei intensiven Trainingswochen mit seinen Teamkollegen Matyas Szabo, Leon Schlaffer und Philipp Methner, um "für den letzten Feinschliff" zu sorgen. Für Kindler sei Normalität vor so einem Großereignis wichtig. 

"Dann sind wir nach Peking zu einem sehr guten Trainingslager mit den Nationalteams aus China, Georgien, Saudi-Arabien und Ägypten gereist." Ein Vorteil sei, dass man die Gegebenheiten in Hongkong von Trainingslagern in der Vergangenheit bereits kenne. "Alle sind heiß und gut vorbereitet, die Stimmung ist gut." Als Zielsetzung gab Kindler für beide Wettbewerbe Top-acht-Platzierungen aus. Die Vorrunde im Einzel startet am Freitag.