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DFB-Team

Barby nach Bronze bei Junioren-EM: "War sogar noch mehr drin"

Mit insgesamt drei Medaillen hat das DFB-Team bei der Kadetten- (U17) und Junioren- (U20) EM im georgischen Tiflis das Vorjahresergebnis egalisiert. Neben dem U17-Säbelteam der Damen holten Viktoria Nikiforov im Damen-Degen der U17 sowie Florettfechter Henrik Barby bei der U20 Bronze. fechten.org hat nach der Rückkehr mit den Einzemedaillengewinner*Innen sowie der Delegationsleitung Julia Doerfer gesprochen.

Henrik Barby wollte seine Nervosität im Gespräch rückblickend erst gar nicht verbergen. “Ich war vor dem Viertelfinal-Gefecht schon ein wenig angespannt. So nah an einer Einzelmedaille war ich noch nie und ich wollte das Gefecht dann unbedingt gewinnen”, erklärte der Florettfechter nach seiner Rückkehr von der Kadetten- und Junioren-Europameisterschaft im georgischen Tiflis.

Das 18-jährige DFB-Talent behielt nach einem bereits langen Wettkampftag in der Runde der letzten acht gegen den Briten Callum Penman die Nerven. Mit dem letztlich souveränen 15:8 sicherte er sich nach der Teammedaille im Vorjahr sein erstes Einzel-Edelmetall. Nach den dritten Plätzen des Säbelteams der Damen (U17) sowie von Viktoria Nikiforov im Damen-Degen der U17 gewann auch Barby Bronze und egalisierte damit das Vorjahresergebnis für das DFB-Team. Auch 2025 hatten die deutschen Nachwuchs-Fechter*innen drei Medaillen nach Deutschland zurückgebracht.

Nikiforov war vor allem mit ihrer Nervenstärke zufrieden. “Vor allem habe ich es geschafft, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben und meine Aktionen durchzuziehen.” Ein ausführliches Interview mit dem DFB-Talent lesen Sie hier.

Barby war derweil noch voller positiver Emotionen: “Die Medaille bedeutet mir persönlich sehr, sehr viel. Ich habe mich sehr gefreut und freue mich immer noch.” Er habe nicht mit Edelmetall gerechnet oder es erwartet. Doch der Fechter von Blau-Weiß Buchholz, der am Bundesstützpunkt Bonn an seiner Karriere feilt, erzielte das beste Ergebnis bei einer EM oder WM im Einzel. “Mein Ziel waren die letzten 16. Ich hatte mir speziell vorgenommen; frei zu fechten und nicht zu verkrampfen und nicht unter Druck zu fechten, um meine Leistung auch abrufen zu können.”

Das habe bis zum Halbfinale hervorragend funktioniert. “Ich habe diszipliniert und selbstbewusst gefochten. Wenn diese Dinge alle zusammenkommen, kann ich solch eine Leistung erreichen. Aber es gab es auch vermeidbare technische und taktische Fehler, vor allem im Halbfinale.”

Barby hat auch eine Woche später noch das Gefühl, dass gegen den Briten Mohammed Belbouab (12:15) mehr drin gewesen wäre: “Es war fürs Halbfinale ein machbares Gefecht, was man ehrlichgesagt auch hätte gewinnen müssen. Aber ab diesem Gefecht habe ich vermehrt technische Fehler begangen. Zwischendurch habe ich es geschafft, auszugleichen, musste mich am Ende jedoch knapp geschlagen geben. Solche Gefechte sollte man auf jeden Fall gewinnen.” Trotz der ehrgeizigen Einstellung war Barby mit dem Turnier grundsätzlich zufrieden.

Bedanken wolle sich der Student der Psychologie an der Uni Bonn, der seit September 2025 Teil der Sportfördergruppe der Bundeswehr ist, beim Trainerteam um Benjamin Kleibrink, André Sanità und Chris Weber. Ohnehin erhielt nicht nur das Trio ein Lob für die Arbeit vor Ort. Julia Doerfer, Referentin für Leistungssport im DFB und Delegationsleiterin in Tiflis, betonte die sehr gute und unkomplizierte Zusammenarbeit der acht Bundestrainer*innen vor Ort. “Die Disziplintrainer haben sich auch waffenübergreifend geholfen und betreut und sich mit der Delegationsleitung hervorragend ergänzt”, erklärte Doerfer.

Der Zusammenhalt im Team sei waffenübergreifend sehr gut gewesen. “Man merkte, dass da etwas zusammengewachsen ist seit den Auftaktlehrgängen 2025”, betonte Doerfer, die sich zudem über den Besuch von rund zehn Mitarbeiter*innen der deutschen Botschaft in Tiflis freute.

Doerfer zur Seite standen die stellvertretenden Delegationsleiter*innen Niklas Uftring (U17) und Reka Szabo (U20), denen Doerfer ihren Dank aussprach. Ein Extra-Lob erhielt Physiotherapeut Sylvio Depner für seine “exzellente” Arbeit und Koordination bei mehr als 40 Athlet*innen. Erstmals vor Ort mit dabei waren im Rahmen des Mentoring-Programms für Trainer-Talente bei den Kadetten Nico Russ und Marco van der Koelen. Die Umsetzung des Programms und das Auftreten der jungen Trainer vor Ort bewertete Doerfer ebenfalls als positiv.

Bemerkenswert sei die Wettkampfstätte gewesen. Diese sei im dritten und vierten Stockwerk eines Einkaufzentrums installiert worden - eine zunächst ungewöhnliche Maßnahme. “Die Umsetzung war aber gut und tatsächlich hat es sich als Vorteil herauskristallisiert. Supermärkte und Einkaufsmöglichkeiten für die Wettkämpfe und Pausen waren nur einen Stockwerk tiefer.” Generell bewertete Doerfer die Gegebenheiten vor Ort als “gut”. Das gehobene Hotel sei zusätzlich zum Shuttleservice fußläufig in rund 15 Minuten zur Halle erreichbar gewesen. Einzig die Wettkampftage seien etwas lang gewesen aus Organisationssicht. “Wenn unsere Athleten die Medaillenränge erreicht haben, waren sie nicht vor 22 Uhr zurück im Hotel.”

Für Henrik Barby, Victoria Nikiforov und alle weiteren DFB-Talente geht der Blick nun bereits nach Rio. Dort findet ab dem 1. April die Kadetten- (U17) und Junioren- (U20) Weltmeisterschaft statt. “Bis dahin liegen meine Trainingsschwerpunkte auf der Technik und Kraft. Ich versuche mich in jedem Training zu verbessern und zu steigern", sagte Barby. Helfen werden dabei die zeitnah anstehenden Vorbereitungslehrgänge. “In Rio strebe ich eine Top-16-Platzierung an. Das Selbstvertrauen der EM wird mir dabei helfen.”