Einen Wettkampfbericht zur Bronzemedaille von Viktoria Nikiforov lesen Sie hier.
Einen Nachdreh mit weiteren Aussagen zur EM lesen Sie hier
fechten.org: Victoria, ein paar Tage nach deiner Rückkehr: Was bedeutet dir die Einzelmedaille bei der U17-EM?
Viktoria Nikiforov: “Die Einzelmedaille bedeutet mir unglaublich viel. Im Einzel steht man allein auf der Planche und trägt die Verantwortung selbst – deshalb fühlt sich diese Medaille auch sehr persönlich an. Für mich ist sie die Belohnung für viele Jahre Training und für die Unterstützung meiner Familie und meines Trainers Zoltan Szegedi.”
fechten.org: Wie wichtig ist der Trainer?
Nikiforov: “Ich trainiere seit meinem allerersten Fechttraining bei ihm und er hat mich auf meinem ganzen Weg begleitet. Diese Medaille ist deshalb nicht nur mein Erfolg, sondern auch das Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit über viele Jahre.”
fechten.org: Was war denn deine Zielsetzung vorab?
Nikiforov: “Ich habe versucht, einfach Runde für Runde zu denken und mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Natürlich träumt man immer von einer Medaille, aber mein Fokus lag darauf, saubere Gefechte zu fechten und mich auf jeden einzelnen Treffer zu konzentrieren.”
fechten.org: Wie bewertest du deine sportliche Leistung?
Nikiforov: “Ich bin insgesamt sehr zufrieden. Vor allem habe ich es geschafft, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben und meine Aktionen durchzuziehen. Natürlich gibt es immer Dinge, die man noch besser machen kann, aber insgesamt war es für mich ein sehr gutes Turnier.”
fechten.org: Was war das schwierigste Gefecht auf dem Weg zum Halbfinale?
Nikiforov: “Das schwierigste Gefecht war das 128er-K.o. gegen Anna Rafaella Salavoura aus Griechenland. Ich lag zwischenzeitlich mit 3:9 zurück. In so einer Situation darf man nicht anfangen zu zweifeln. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben und Treffer für Treffer zu denken. Am Ende konnte ich das Gefecht noch mit 15:12 drehen.”
fechten.org: Wie ging es dann weiter?
Nikiforov: “Direkt danach hatte ich im 64er-K.o. mit Elizabeth Novosjolova aus Estland eine sehr starke Gegnerin vor mir, die nach der Vorrunde an Position fünf gesetzt war. Der Sieg hat mir nochmal richtig Rückenwind gegeben. Nach dem Comeback im ersten K.o. und dem Erfolg gegen eine Topgesetzte hatte ich einfach mehr Selbstvertrauen für die nächsten Gefechte.”
fechten.org: Wie sieht denn dein Trainingsalltag aus?
Nikiforov: “Ich gehöre dem Bundesstütztpunkt Bonn an und trainiere im Leistungsbereich im Alltag sowohl bei Eintracht Frankfurt als auch beim Fechtclub Offenbach. Dort finden auch die Stützpunkttrainings mit meinem Trainer Zoltan Szegedi statt, der gleichzeitig hessischer Landestrainer ist. Diese Trainings sind für meine Entwicklung sehr wichtig. Wenn ich allerdings Nachmittagsunterricht habe, schaffe ich es zeitlich nicht nach Frankfurt oder Offenbach. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich dann auch in der Fechtabteilung des SV Böblingen trainieren darf. Diese Möglichkeit hilft mir sehr, Schule und Leistungssport zu verbinden.”
fechten.org: Wie meisterst du in so jungen Jahren den Spagat und das Leben zwischen Schule und Leistungssport aus?
Nikiforov: “Es ist manchmal schon ein ziemlicher Spagat zwischen Schule, Training, Wettkämpfen und der nötigen Regeneration. Deshalb ist eine gute Organisation für mich sehr wichtig. Ich versuche, meine Hausaufgaben und schulischen Aufgaben möglichst früh zu erledigen, damit ich mich beim Training voll auf das Fechten konzentrieren kann.”
fechten.org: Du bist viel mit deinen Eltern im Auto unterwegs?
Nikiforov: “Da ich für das Training oft nach Frankfurt oder Offenbach fahren muss, bin ich viel unterwegs. Diese Fahrten gehören inzwischen einfach zu meinem Alltag. Oft nutze ich die Zeit im Auto auch, um zu lernen, zum Ausruhen oder mich auf das nächste Training vorzubereiten. Natürlich bleibt dadurch weniger Freizeit als bei vielen anderen in meinem Alter. Aber ich mache den Sport mit großer Leidenschaft, deshalb sehe ich die vielen Fahrten und den Aufwand nicht als Belastung, sondern als Teil meines Weges. Wenn dann doch einmal Zeit bleibt, verbringe ich sie am liebsten mit meiner Familie oder meinen Freunden.”
fechten.org: Wo befindet sich Dein Lebensmitelpunkt?
Nikiforov: Ich wohne in Eisingen im Enzkreis in Baden-Württemberg. Für Training und Wettkämpfe bin ich viel unterwegs, aber mein Zuhause und meine Familie geben mir immer Rückhalt.
fechten.org: Was sind deine Trainingsschwerpunkte und deine sportlichen Ziele kurz- und langfristig?
Nikiforov: “Kurzfristig möchte ich meine Konstanz im Wettkampf weiter verbessern und international regelmäßig vorne mitfechten. Die nächste Chance habe ich dazu bei der Kadetten-WM in Rio im April. Langfristig ist mein Ziel, mich im Junioren- und später im Aktivenbereich zu etablieren und bei Europa- und Weltmeisterschaften erfolgreich zu sein. Und natürlich träumt man auch davon, irgendwann einmal bei Olympischen Spielen zu starten.”